
97 Jahre Vanguard Wellington Fund: Klassische 60/40-Strategie gegen moderne Finanztrends
Von Redaktion aktie.com
Der Vanguard Wellington Fund feiert 2026 sein 97-jähriges Bestehen – und trotzt damit einem Marktumfeld, das sich radikal von jenem seiner Gründung im Jahr 1929 unterscheidet. Während Anleger zunehmend auf Kryptowährungen, Prediction Markets und spekulative KI-Wetten setzen, bleibt der älteste Mischfonds der USA seiner bewährten Strategie treu: eine klassische 60/40-Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen bei minimalen Kosten.
Stabiles Konzept in volatilen Zeiten
Der Fonds verkörpert die Anlagephilosophie von Jack Bogle, dem legendären Gründer der Vanguard Group. Rund zwei Drittel des Fondsvermögens von etwa 26,1 Milliarden US-Dollar stecken in Aktien etablierter, meist dividendenstarker Unternehmen. Das verbleibende Drittel liegt in hochwertigen Anleihen. Diese feste Allokation dient der Risikominderung – historisch erzielte ein reines Aktienportfolio seit 1926 durchschnittlich 10 Prozent Rendite, während Wellingtons Mischansatz mit rund 9 Prozent nur geringfügig niedriger lag, dabei aber deutlich weniger Schwankungen aufwies.
Die jüngeren Performance-Zahlen bestätigen diese Strategie: Über die vergangenen fünf Jahre erzielte der Fonds 11,10 Prozent Rendite pro Jahr, über die letzten zehn Jahre 9,75 Prozent. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr allein lag die Rendite bei 17,74 Prozent. Auch im Wettbewerbsvergleich schneidet Wellington stark ab – Manager Donald Kilbride, der mit dem Wellington-Team verbunden ist, übertraf mit dem Vanguard Dividend Growth Fund über zehn Jahre hinweg 97 Prozent seiner Konkurrenten, wie Daten von Morningstar zeigen.
Gegen den Trend – mit Erfolg
Die Strategie erscheint in Zeiten von Technologiebooms und spekulativen Wachstumswetten antiquiert. Doch gerade die Mischung aus Stabilität und moderatem Wachstum macht den Fonds für konservative und langfristig orientierte Anleger interessant. Die Fondsmanager setzen auf "zeitlose Anlagewahrheiten": dividendenstarke Titel mit Wachstumspotenzial, gepaart mit einem disziplinierten Ansatz, der Modewellen ignoriert.
Für Privatanleger im deutschsprachigen Raum ist der Fonds allerdings mit Einschränkungen verbunden. US-Publikumsfonds unterliegen in der EU und der Schweiz regulatorischen Hürden – ein direkter Erwerb über europäische Broker ist meist nicht möglich. Wer die Strategie nachbilden will, kann auf vergleichbare europäische Mischfonds oder ETFs mit ähnlicher Aktien-Anleihen-Allokation setzen.
In einer Finanzwelt, die zunehmend von kurzfristigen Trends getrieben wird, zeigt der Wellington Fund: Bewährte Prinzipien können auch nach fast einem Jahrhundert noch funktionieren – sofern man bereit ist, gegen den Zeitgeist zu investieren.
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