
Australien ermittelt gegen Tech-Riesen wegen Social-Media-Verbot für Minderjährige
Von Redaktion aktie.com
Die australische Internet-Regulierungsbehörde eSafety hat Untersuchungen gegen fünf grosse Social-Media-Plattformen eingeleitet. Der Vorwurf: mögliche Verstösse gegen das seit Dezember 2025 geltende Verbot, Nutzer unter 16 Jahren auf ihren Plattformen zuzulassen. Betroffen sind Facebook und Instagram (beide Meta Platforms), YouTube (Alphabet), TikTok (ByteDance) und Snapchat (Snap Inc.).
eSafety-Kommissarin Julie Inman Grant äusserte "erhebliche Bedenken", dass die Plattformen das Verbot möglicherweise nicht einhalten. Zwar hätten die Unternehmen erste Massnahmen ergriffen, doch zweifelt die Behörde an deren Wirksamkeit. Die Untersuchung stellt die bisher stärkste Reaktion der australischen Regulierung auf die Umsetzung des weltweit ersten nationalen Verbots dieser Art dar.
Strafen bis zu 50 Millionen australische Dollar
Das australische Gesetz, offiziell Online Safety Amendment (Social Media Minimum Age) Act 2024, trat am 10. Dezember 2025 in Kraft. Es verpflichtet Plattformbetreiber – nicht die Nutzer selbst –, technische Systeme zu schaffen, die verhindern, dass Personen unter 16 Jahren Konten erstellen oder nutzen können. Jungen Menschen und ihren Familien drohen keine Strafen, sollten sie trotz Verbot Zugang erhalten.
Die Behörde kann seit September 2025 rechtliche Schritte einleiten, wenn Unternehmen nicht nachweisen, angemessene Massnahmen zur Altersbeschränkung ergriffen zu haben. Bei Verstössen drohen Geldbussen von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar (rund 28 Millionen Euro oder 26 Millionen Schweizer Franken) pro Fall.
Datenschutz als zusätzliche Hürde
Das Gesetz enthält strenge Datenschutzauflagen: Technologien zur Altersverifikation dürfen ausschliesslich zu diesem Zweck eingesetzt werden. Personenbezogene Daten müssen anschliessend gelöscht werden. Die australische Regierung führte einen Technologie-Test durch, um verschiedene Verfahren zur Altersverifizierung zu evaluieren – von direkter Überprüfung über Schätzung bis hin zu Inferenzmethoden.
Neben den fünf jetzt untersuchten Plattformen fallen auch Reddit und die Plattform X (ehemals Twitter) unter das Gesetz. Ob gegen diese Dienste ebenfalls ermittelt wird, ist derzeit nicht bekannt.
Internationale Signalwirkung
Für Anleger von Alphabet, Meta und Snap ist die Entwicklung relevant, weil Australien international als Vorreiter gilt. Andere Länder beobachten den Vollzug genau. Sollte sich das Modell durchsetzen, könnten weitere Märkte folgen – mit potenziell erheblichen Auswirkungen auf Nutzerzahlen und Werbeeinnahmen in jüngeren Zielgruppen. Alphabet und Meta erwirtschaften einen Grossteil ihrer Umsätze über Werbung, die stark von aktiven Nutzern abhängt.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die Unternehmen nachbessern oder ob es zu den ersten Bussgeldern kommt. Eine offizielle Stellungnahme der betroffenen Konzerne liegt bisher nicht vor.
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