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Australisches LNG zwischen Chance und Risiko: Wie der Iran-Krieg den Gasmarkt verändert
Rohstoffe1. April 2026· 3 Min. Lesezeit

Australisches LNG zwischen Chance und Risiko: Wie der Iran-Krieg den Gasmarkt verändert

Von Redaktion aktie.com

Zusammenfassung

LNG-Preise sind seit Beginn des Iran-Kriegs um 68 Prozent gestiegen, während eine australische LNG-Anlage mit 2,4 Prozent des Weltmarktanteils im März 2026 wochenlang ausfiel. Die Blockade der Straße von Hormus und gestoppte Lieferungen aus Katar verschärfen die globale Gasknappheit zusätzlich.

Kernaussagen

  • LNG-Preise stiegen seit Beginn des Iran-Kriegs um 68 Prozent laut Roland Berger-Analyse
  • Australische LNG-Anlage mit 2,4 Prozent des weltweiten Handelsvolumens fiel im März 2026 wochenlang aus
  • UBS warnt im schlimmsten Szenario vor Ölpreisen bei langfristig 110 Dollar pro Barrel
  • Blockade der Straße von Hormus und Stopp katarischer LNG-Lieferungen verschärfen die Versorgungslage
  • Die drei größten LNG-Exporteure USA, Katar und Australien vereinen 60 Prozent des Weltmarktes auf sich
  • Japans Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa spart seit Februar 2026 jährlich eine Million Tonnen LNG ein

Der globale Flüssiggasmarkt steht unter erheblichem Druck. Während der Iran-Krieg die Versorgungsrouten im Nahen Osten stört, verschärft ein wochenlanger Ausfall einer australischen LNG-Anlage die ohnehin angespannte Situation. Die Preisentwicklung zeigt die Dramatik: LNG verteuerte sich seit Kriegsbeginn um 68 Prozent, wie die Unternehmensberatung Roland Berger in einer aktuellen Analyse ermittelt hat. Zum Vergleich: Beim Ölpreis beträgt der Anstieg im gleichen Zeitraum 47 Prozent.

Australiens Ausfall trifft den Markt zur Unzeit

Eine australische LNG-Anlage, die 2,4 Prozent des weltweiten Flüssiggashandels ausmacht, fiel Ende März 2026 für mehrere Wochen aus. Der Produktionsausfall verschärft die globale Gasknappheit in einer Phase, in der die Märkte ohnehin durch geopolitische Spannungen belastet sind. Australien gehört neben den USA und Katar zu den drei dominierenden LNG-Exporteuren weltweit – gemeinsam kontrollieren diese Länder 60 Prozent des globalen Marktes, wie Daten des Weltenergierats zeigen.

Der Ausfall stellt ein erhebliches Problem für asiatische Abnehmer dar, die zu den größten LNG-Importeuren zählen. China und Japan führen diese Liste an, gefolgt von Südkorea und Taiwan. Gerade für diese Volkswirtschaften bedeutet jede Störung der Lieferketten unmittelbare Versorgungsrisiken.

Naher Osten: Blockaden und Angriffe belasten die Versorgung

Die Blockade der Straße von Hormus – einer der wichtigsten Energietransportrouten weltweit – und der Stopp katarischer LNG-Lieferungen haben die Preise für Öl und Gas nach oben getrieben. Ein Raketenangriff auf eine LNG-Anlage in Katar löste zusätzliche Marktunruhe aus. Die Schadenshöhe bleibt teilweise unklar, während Versicherungen nur Teile der Schäden abdecken.

Die iranischen Ölverkäufe, die hauptsächlich nach China gehen, dürften laut Amundi eingestellt werden. Die geplante Produktionssteigerung der OPEC+ und über Pipelines aus der Region gelieferte Mengen reichen nicht aus, um die Versorgungsausfälle zu kompensieren. Dies gilt sowohl für Öl als auch für LNG-Lieferungen aus dem Nahen Osten.

Risikoszenarien: UBS warnt vor langfristig hohen Ölpreisen

Die UBS hat in ihrer Szenarioanalyse drei mögliche Entwicklungen durchgespielt. Im schlimmsten Fall könnte der Ölpreis langfristig bei 110 Dollar pro Barrel verharren. Ein solches Szenario würde die globale Konjunktur erheblich belasten und ganze Volkswirtschaften an den Rand wirtschaftlicher Engpässe bringen, wie Analysen der Tagesschau nahelegen.

Geopolitische Spannungen in den Versorgungsregionen bergen weitere Eskalationsrisiken. Zusätzliche Angriffe auf kritische Infrastruktur könnten die Lieferketten weiter stören und die Abhängigkeit von Nahost-Assets als besonders verwundbar erweisen.

Entlastungsfaktoren am asiatischen Markt

Nicht alle Entwicklungen verschärfen die Lage. Die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Kashiwazaki-Kariwa in Japan im Februar 2026 ermöglicht dem Land jährliche Einsparungen von rund einer Million Tonnen LNG. Dies stellt einen dämpfenden Faktor für die Nachfrage dar, auch wenn der Yen bereits mit Kursverlusten auf die angespannte Energiesituation reagiert hat.

Dennoch bleibt die Gesamtsituation angespannt. Die Kombination aus australischen Produktionsausfällen, blockierten Transportrouten im Nahen Osten und steigenden Preisen stellt den globalen LNG-Markt vor erhebliche Herausforderungen. Für Abnehmer in Asien und Europa bedeutet dies höhere Kosten und Unsicherheit über die zukünftige Versorgungssicherheit.

Marktkonzentration als strukturelles Problem

Die starke Konzentration des LNG-Exports auf drei Länder – USA, Katar und Australien – macht den Markt anfällig für regionale Störungen. Jeder Ausfall in einem dieser Länder hat unmittelbare globale Auswirkungen. Die wachsende Konkurrenz im LNG-Sektor könnte mittelfristig für mehr Diversifikation sorgen, kurzfristig bleibt die Versorgungslage jedoch fragil.

Die Abhängigkeit der asiatischen Importeure von wenigen großen Exporteuren zeigt die strukturellen Verwundbarkeiten des Systems. Während Europa nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine seine LNG-Importkapazitäten massiv ausgebaut hat, konkurrieren nun mehr Abnehmer um ein begrenztes Angebot – gerade in Krisenzeiten ein zusätzlicher Preistreiber.

Quellen

  • UBS-Szenarioanalyse zum Iran-Krieg
  • Großer LNG-Ausfall in Australien verschärft Gas-Knappheit
  • Was der Iran-Krieg für die Konjunktur bedeutet
  • Shell plc Aktie unter Druck: Raketenangriff auf LNG-Anlage in Katar
  • Auswirkungen des Iran-Konflikts auf die Märkte
  • Weltenergierat: Der weltweite LNG-Markt
  • Energiepreise steigen: Iran-Krieg bringt ganze Länder an den Rand

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