
Britische Wettbewerbsbehörde prüft Microsoft-Geschäftsmodell ab 2026
Von Redaktion aktie.com
Die britische Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) hat ein umfassendes Untersuchungsverfahren gegen Microsoft angekündigt. Ab Mai 2026 wird die Behörde das Geschäftssoftware-Ökosystem des Konzerns unter die Lupe nehmen – konkret geht es um Windows, Office, Teams und die KI-Assistenzsoftware Copilot. Der Vorwurf: Microsoft könnte seine marktbeherrschende Stellung missbrauchen und den Wettbewerb verzerren.
Parallel dazu haben sowohl Microsoft als auch Amazon Web Services konkrete Zugeständnisse gemacht, um Wettbewerbsbedenken im Cloud-Geschäft auszuräumen. Beide Unternehmen haben sich verpflichtet, sogenannte Egress-Gebühren zu reduzieren oder ganz zu streichen. Diese Gebühren fallen an, wenn Kunden ihre Daten aus einer Cloud-Plattform heraus zu einem anderen Anbieter transferieren wollen – ein wesentlicher Kostenfaktor beim Wechsel des Cloud-Anbieters.
Was sind Egress-Gebühren?
Egress-Gebühren bezeichnen die Kosten, die Cloud-Anbieter für den Transfer von Daten aus ihrer Plattform heraus berechnen. Kritiker sehen darin ein Instrument, um Kunden faktisch an einen Anbieter zu binden, da ein Wechsel mit erheblichen Zusatzkosten verbunden sein kann. Die Abschaffung oder Reduktion dieser Gebühren soll die Wechselbarrieren senken und den Wettbewerb beleben.
Unterschiedliche Behandlung von Microsoft und Amazon
Bemerkenswert ist die unterschiedliche Vorgehensweise der CMA gegenüber den beiden Cloud-Giganten. Während Amazon mit seinen freiwilligen Zugeständnissen einer vollständigen Untersuchung entgangen ist, steht Microsoft vor einem formellen SMS-Verfahren (Strategic Market Status). Diese Einstufung erlaubt es der CMA, weitreichende Verhaltensauflagen zu verhängen oder wettbewerbsfördernde Massnahmen durchzusetzen – eine Befugnis, die aus dem Digital Markets, Competition, and Consumer Act (DMCC) resultiert.
Die unterschiedliche Behandlung deutet darauf hin, dass die britische Wettbewerbsbehörde Microsofts Marktposition im Software-Bereich als besonders problematisch einstuft. Das Geschäftsmodell des Konzerns, bei dem Cloud-Dienste, Betriebssystem und Produktivitätssoftware eng verzahnt sind, steht offenbar im Fokus der Ermittler.
Fortschrittskontrolle in sechs Monaten
Beide Unternehmen haben ihre Zusagen bereits durch Vertragsänderungen umgesetzt. Die CMA wird in sechs Monaten überprüfen, ob die vereinbarten Massnahmen tatsächlich zu messbaren Verbesserungen bei der Multi-Cloud-Interoperabilität und der Anbieterwechsel-Flexibilität geführt haben.
Bedeutung für Anleger
Für Microsoft-Aktionäre bedeutet die anstehende Untersuchung regulatorische Unsicherheit. Sollte die CMA zu dem Schluss kommen, dass das Geschäftsmodell strukturell angepasst werden muss, könnten Umsätze im lukrativen Software- und Cloud-Segment unter Druck geraten. Die britische Regulierung könnte zudem Signalwirkung für andere Märkte haben – insbesondere die EU verfolgt ähnliche Ansätze bei der Regulierung marktbeherrschender Digitalkonzerne.
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