
Cloud-Giganten setzen auf Arm-Chips: Die Abkehr von Intel und AMD
Von Redaktion aktie.com
Der globale Cloud-Markt erlebt einen fundamentalen Technologiewechsel: Amazon Web Services (AWS), Microsoft, Google und Meta stellen ihre Server-Infrastruktur systematisch von herkömmlichen x86-Prozessoren auf Arm-basierte Eigenentwicklungen um. Was nach einem reinen Branchenthema klingt, hat weitreichende Folgen für Anleger – denn die Marktmacht etablierter Chip-Hersteller wie Intel und AMD gerät dadurch unter Druck.
Arm erobert die Rechenzentren
Nach Angaben von Arm Holdings liefen bereits 2025 knapp 50 Prozent der an führende Hyperscaler – also Betreiber riesiger Cloud-Rechenzentren – ausgelieferten Rechenleistung auf Arm-Basis. Noch drastischer fällt die Prognose von Counterpoint Research aus: Bis 2029 oder 2030 sollen 90 Prozent aller KI-Server mit Custom-Prozessoren auf Arm-Architektur setzen. Die traditionelle x86-Architektur von Intel und AMD würde dann nur noch eine Nebenrolle spielen.
Der Grund für diesen Strategieschwenk liegt in handfesten wirtschaftlichen Vorteilen. Die Cloud-Konzerne entwickeln eigene Chips, um Kosten zu senken, die Energieeffizienz zu verbessern und weniger abhängig von externen Zulieferern zu sein.
Amazon als Vorreiter mit Graviton
Amazon zeigt mit seiner Graviton-Prozessorfamilie, wie sich die Umstellung rechnet. Bereits die Hälfte aller neuen AWS-Instanzen – also virtueller Server – basiert auf Amazon-eigenen Chips. Ein konkretes Beispiel: Netflix senkte durch die Migration der Video-Kodierung auf Graviton-Prozessoren die jährlichen Kosten um 15 Millionen Dollar und steigerte gleichzeitig die Verarbeitungsgeschwindigkeit um 20 Prozent.
Im direkten Vergleich sind Graviton-Instanzen pro Stunde 18 bis 20 Prozent günstiger als vergleichbare x86-basierte Angebote. Bei den Grössenordnungen, in denen Cloud-Anbieter operieren, summieren sich solche Einsparungen zu erheblichen Wettbewerbsvorteilen.
Gewinner und Verlierer der Verschiebung
Für Intel und AMD bedeutet diese Entwicklung einen schleichenden Verlust ihres lukrativen Geschäfts mit Rechenzentrumsservern. Beide Unternehmen dominieren seit Jahrzehnten diesen Markt mit ihrer x86-Architektur – eine Position, die nun bröckelt.
Doch auch spezialisierte Arm-Prozessorhersteller wie Ampere Computing stehen vor Herausforderungen: Wenn alle grossen Hyperscaler eigene Chips entwickeln statt fertige Prozessoren einzukaufen, schrumpft der adressierbare Markt für Drittanbieter deutlich.
Arm Holdings selbst profitiert als Lizenzgeber der zugrunde liegenden Architektur. Die britische Firma erhält Gebühren sowohl für die Lizenzen als auch für jeden ausgelieferten Chip – unabhängig davon, ob Amazon, Microsoft oder Google die Prozessoren fertigen lassen.
Einordnung für Anleger
Die Verschiebung hin zu Arm-basierten Custom-Chips ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine strukturelle Veränderung der Cloud-Infrastruktur. Anleger sollten beobachten, wie sich diese Dynamik auf die Geschäftszahlen der betroffenen Unternehmen auswirkt – insbesondere bei Intel und AMD, die ihre Datacenter-Sparten neu justieren müssen.
Artikel teilen