
Elon Musk bezeichnet die meisten Kryptowährungen als Betrug
Von Redaktion aktie.com
Tesla-Chef Elon Musk hat bei einer Gerichtsanhörung am Mittwoch in Oakland eine überraschende Einschätzung zum Kryptomarkt abgegeben. Auf die Frage, was Kryptowährungen seien, antwortete er laut einem Tweet des New York Times-Reporters Mike Isaac: "Einige haben Verdienste, aber die meisten sind Betrügereien." Die Aussage irritiert, da Musk bislang als Befürworter digitaler Währungen galt.
Musk machte die Äusserung im Rahmen einer juristischen Auseinandersetzung mit OpenAI, dem KI-Unternehmen, das er 2015 mitgegründet hatte. Die Stellungnahme zu Kryptowährungen erfolgte dabei offenbar nebenbei – entwickelt aber besondere Brisanz angesichts Teslas eigener Verstrickungen mit Bitcoin.
Tesla hält weiterhin Bitcoin – trotz Skepsis
Teslas Bilanz zeigt eine widersprüchliche Haltung. Der Elektroautohersteller hält nach wie vor bedeutende Bitcoin-Bestände, obwohl das Unternehmen seit 2021 keine weiteren Käufe mehr getätigt hat. Im ersten Quartal 2026 wiesen diese Bestände einen nicht realisierten Verlust von 173 Millionen Dollar aus.
Gleichzeitig profitierte Tesla erheblich von einer im Dezember eingeführten Bilanzierungsregel. Diese schreibt vor, dass Krypto-Bestände zum aktuellen Marktwert in der Bilanz erscheinen müssen, wobei Wertänderungen direkt im Nettoergebnis erfasst werden. Der Gewinn des Unternehmens stieg dadurch um 600 Millionen Dollar – eine buchhalterische Aufwertung, die zeigt, wie volatil Krypto-Engagements die Unternehmenskennzahlen beeinflussen können.
Geschichte einer Kehrtwende
Musk hatte bereits im Mai 2021 die Akzeptanz von Bitcoin als Zahlungsmittel für Tesla-Fahrzeuge ausgesetzt. Begründung waren damals Klimaschutzbedenken wegen des hohen Energieverbrauchs beim Bitcoin-Mining. Die Ankündigung liess den Bitcoin-Kurs um über 10 Prozent fallen, auch Tesla-Aktien gaben nach.
Dennoch hält Musk persönlich drei verschiedene Kryptowährungen – wobei er Dogecoin am vehementesten öffentlich unterstützt. Bitcoin und Ethereum erwähnt er gelegentlich positiv, allerdings mit deutlich weniger Nachdruck.
Einordnung für Anleger
Die jüngsten Äusserungen werfen Fragen auf. Entweder hat sich Musks Sicht auf den Kryptomarkt grundlegend gewandelt, oder seine früheren Bitcoin-Käufe für Tesla waren bereits Teil einer pragmatischeren Haltung, als öffentlich kommuniziert.
Für Privatanleger im deutschsprachigen Raum bleibt festzuhalten: Selbst prominente Befürworter digitaler Währungen zeigen zunehmend Zurückhaltung bei der unternehmerischen Integration. Tesla hat seine Krypto-Position seit drei Jahren nicht ausgebaut – ein konservativer Kurs, der im Widerspruch zur öffentlichen Wahrnehmung Musks als Krypto-Enthusiast steht. Die Volatilität von Krypto-Beständen in Unternehmensbilanzen bleibt ein erhebliches Risiko, wie die Schwankungen in Teslas Quartalszahlen verdeutlichen.
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