
ETF Strategien
Von Redaktion aktie.com
Kernaussagen
- KI-ETFs weisen Gesamtkostenquoten (TER) zwischen 0,30 und 0,50 Prozent pro Jahr auf, was für thematische ETFs marktüblich ist
Nach Jahren geopolitischer Spannungen, technologischer Umbrüche und Zinsunsicherheiten richtet sich der Fokus bei ETF-Strategien 2026 stärker auf strukturelles Wachstum und langfristige Themen. Anleger setzen vermehrt auf Sektoren mit dauerhaften Wachstumstreibern statt auf kurzfristige Marktbewegungen.
Künstliche Intelligenz als dominierendes Anlagethema
KI-ETFs zählen zu den prominentesten Investitionsthemen des laufenden Jahres. Ein KI-ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der gezielt in Unternehmen investiert, die künstliche Intelligenz entwickeln, nutzen oder von deren Verbreitung profitieren – von Halbleiterherstellern über Cloud-Anbieter bis zu Softwareentwicklern.
Die Gesamtkostenquote (TER) bei KI-ETFs liegt laut Marktübersicht im Bereich von 0,30 bis 0,50 Prozent pro Jahr. Diese Kostenstruktur entspricht den branchenüblichen Standards für thematische ETFs, die typischerweise höhere Verwaltungsgebühren aufweisen als breite Marktindizes.
Ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl: Ein zu starker Fokus auf Halbleiter-Unternehmen kann die zyklische Anfälligkeit des Portfolios erhöhen. Halbleiterhersteller unterliegen ausgeprägten Nachfragezyklen, die zu stärkeren Kursschwankungen führen können als bei breiter diversifizierten KI-Strategien.
Konvergenz von KI und Energieinfrastruktur
Im europäischen Markt hat HANetf gemeinsam mit Defiance ETFs einen KI- und Energieinfrastruktur-ETF aufgelegt. Dieser adressiert einen strukturellen Trend: Der massive Energiebedarf von Rechenzentren und KI-Systemen erfordert parallele Investitionen in Energieerzeugung, Speichertechnologien und Netzinfrastruktur. Die Konvergenz dieser beiden Bereiche entwickelt sich zu einem zentralen Thema an den globalen Märkten.
Weitere strategische Schwerpunkte für 2026
Neben künstlicher Intelligenz haben sich mehrere Anlagesegmente als relevante Beimischungen für ETF-Portfolios etabliert:
- Gold: Das Edelmetall dient traditionell als Absicherung gegen Inflation und geopolitische Unsicherheiten
- Seltene Erden: Diese Rohstoffe sind unverzichtbar für Elektromobilität, erneuerbare Energien und Elektronik
- Rüstung: Geopolitische Spannungen und steigende Verteidigungsbudgets in Europa und Nordamerika stützen die Nachfrage
- Energieinfrastruktur: Ausbau von Stromnetzen, Speicherlösungen und Erzeugungskapazitäten für die Energiewende
Diese Bereiche decken unterschiedliche Wachstumstreiber ab – von langfristigen Transformationstrends bis zu konjunkturellen Absicherungsstrategien. Eine Erfolgsgarantie gibt es bei keiner dieser Strategien.
Sicherheitsaspekte und Risikoprofile
ETFs gelten aufgrund ihrer breiten Streuung über verschiedene Branchen und Unternehmen als langfristig vergleichsweise risikoarme Anlagemöglichkeit im Vergleich zu Einzelaktien. Sie profitieren von zwei wesentlichen Schutzmechanismen:
Sondervermögensschutz: ETFs sind rechtlich als Sondervermögen klassifiziert. Das bedeutet, das investierte Kapital wird gesetzlich vom Vermögen der emittierenden Finanzgesellschaft getrennt. Im Insolvenzfall der Fondsgesellschaft bleibt das Anlegervermögen geschützt und fällt nicht in die Insolvenzmasse.
Diversifikationseffekt: Durch die Investition in einen Korb von Wertpapieren verringert sich das Einzeltitelrisiko erheblich. Der Ausfall oder Kurseinbruch eines einzelnen Unternehmens wirkt sich nur begrenzt auf die Gesamtperformance aus.
Ausnahme: Krypto-ETPs mit höherem Risikoprofil
Eine wichtige Ausnahme bilden Krypto-ETPs (Exchange Traded Products). Diese weisen aufgrund der hohen Volatilität digitaler Vermögenswerte und der begrenzten Anzahl von Basiswerten ein deutlich höheres Risikoprofil auf als klassische Aktien-ETFs. Die Kursschwankungen können innerhalb kurzer Zeiträume erheblich ausfallen, und die regulatorische Unsicherheit bleibt ein zusätzlicher Risikofaktor.
Strategische Überlegungen für Anleger im DACH-Raum
Für Anleger in der Schweiz, Deutschland und Österreich empfiehlt sich bei der ETF-Auswahl ein mehrstufiger Ansatz. Ein Kern-Portfolio aus breit diversifizierten Aktien- und Anleihen-ETFs bildet die Basis. Thematische ETFs auf KI, Rohstoffe oder Infrastruktur können als Satellitenbausteine dienen, sollten jedoch aufgrund ihrer höheren Volatilität und Kostenstruktur einen begrenzten Portfolioanteil ausmachen.
Die steuerliche Behandlung von ETFs unterscheidet sich im DACH-Raum: In Deutschland und Österreich unterliegen Erträge der Abgeltungsteuer beziehungsweise Kapitalertragsteuer, in der Schweiz müssen Kapitalerträge im Rahmen der Einkommenssteuer deklariert werden. Thesaurierende ETFs, die Erträge automatisch reinvestieren, bieten steuerliche Vorteile gegenüber ausschüttenden Varianten, wenn die Besteuerung erst bei Verkauf erfolgt.
Die Kostenstruktur bleibt ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Langfristrendite. Während breite Markt-ETFs auf SMI, DAX oder MSCI World mit TER-Werten von 0,05 bis 0,20 Prozent verfügbar sind, liegen thematische Produkte wie KI-ETFs mit 0,30 bis 0,50 Prozent spürbar darüber. Dieser Kostenunterschied summiert sich über Jahrzehnte zu einem relevanten Renditedifferenzial.
Artikel teilen