
Ethereum Glamsterdam Hardfork: ePBS könnte Transaktionen um 2 Sekunden verzögern
Von Redaktion aktie.com
Der Ethereum-Forscher Toni Wahrstätter macht auf ein potenzielles Problem beim nächsten grossen Netzwerk-Upgrade aufmerksam: Die für das erste Halbjahr 2026 geplante Glamsterdam Hardfork könnte Transaktionen um rund zwei Sekunden verzögern. Verantwortlich dafür ist die Einführung von ePBS (Enshrined Proposer-Builder Separation), ein Mechanismus, der bislang über externe Software läuft und nun direkt ins Ethereum-Protokoll integriert werden soll.
Was ist ePBS und warum kommt es jetzt?
Enshrined Proposer-Builder Separation trennt zwei Rollen im Ethereum-Netzwerk: den Proposer, der einen Block vorschlägt, und den Builder, der den Blockinhalt zusammenstellt. Aktuell läuft diese Trennung über MEV-boost, eine externe Software von Flashbots. MEV steht für "Maximal Extractable Value" – den Gewinn, den Transaktionsverarbeiter durch geschicktes Anordnen von Transaktionen erzielen können.
Mit ePBS wird diese Funktionalität direkt ins Ethereum-Protokoll eingebaut. Statt einer vollständigen Transaktion enthält ein Block künftig nur noch eine signierte Verpflichtung eines Builders. Ziel ist ein transparenterer und fairerer Markt für Blockspace, bei dem Validatoren keinen Nachteil haben, wenn sie auf externe Lösungen verzichten.
Die Verzögerung und ihre Auswirkungen
Wahrstätter hat das Tool txdelay.xyz entwickelt, um die Auswirkungen auf Transaktionszeiten zu messen. Die angekündigte Verzögerung von etwa zwei Sekunden entsteht durch die zusätzliche Kommunikationsebene zwischen Proposern und Buildern. Bei Ethereum-Slots von je zwölf Sekunden Länge bedeutet dies eine spürbare Verlängerung der Wartezeit, bis eine Transaktion final in einem Block landet.
Für Nutzer, die zeitkritische Transaktionen durchführen – etwa im Bereich dezentraler Börsen oder automatisierter Handelsstrategien – könnte diese Verzögerung relevant sein. Im Vergleich zu konkurrierenden Blockchains mit schnelleren Blockzeiten wächst damit der Abstand.
Umfang der Glamsterdam Hardfork
Glamsterdam ist bereits ohne weitere Ergänzungen ein umfangreiches Update. Neben ePBS enthält es Block-Level Access Lists (BALs), die parallele Ausführung von Transaktionen ermöglichen sollen. Langfristig strebt Ethereum damit einen Durchsatz von 10.000 Transaktionen pro Sekunde auf der Hauptkette an – ein deutlicher Sprung gegenüber den aktuell rund 15 bis 30 Transaktionen.
Wahrstätter warnt vor zusätzlicher Komplexität durch weitere Features wie FOCIL (Fork-Choice enforced Inclusion Lists), die ebenfalls diskutiert werden. Seine Position: Ethereum habe bewiesen, dass es schnell und verantwortungsvoll entwickeln kann – dies gelinge aber nur mit fokussierten, testbaren Upgrades.
Einordnung für Anleger
Die technischen Änderungen zielen auf längerfristige Skalierung und Dezentralisierung ab. Kurzfristig dürfte die Verzögerung für gewöhnliche Nutzer kaum spürbar sein – wer nicht hochfrequent handelt, merkt von zwei Sekunden wenig. Entscheidend wird sein, ob die Glamsterdam-Implementierung planmässig verläuft und die versprochenen Skalierungseffekte tatsächlich eintreten. Für die Wettbewerbsfähigkeit von Ethereum gegenüber Solana, Avalanche oder anderen Layer-1-Blockchains bleibt die Balance zwischen Dezentralisierung und Performance zentral.
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