
Exxon mit Gewinnrückgang: Iran-Krieg drückt Ölförderung im Q1 2026
Von Redaktion aktie.com
Kernaussagen
- Exxon Mobil meldete für Q1 2026 einen bereinigten Konzerngewinn von 4,9 Milliarden US-Dollar – ein Rückgang um 36 Prozent gegenüber 7,7 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum und das niedrigste Niveau seit fünf Jahren
- Derivateverluste von 706 Millionen US-Dollar, die direkt auf Störungen durch den Iran-Krieg zurückzuführen sind, belasteten das Quartalsergebnis massiv
- Trotz des Gewinnrückgangs übertraf Exxon die Analystenschätzungen: Gewinn pro Aktie 1,16 US-Dollar (Prognose 1,03 US-Dollar, +12,6%) und Umsatz 85,14 Milliarden US-Dollar (+4,8% über Erwartungen)
- Die Ölsorte Brent notierte am 2. März 2026 bei etwa 78 US-Dollar pro Barrel – deutlich unter den anfänglichen Höchstständen nach Kriegsausbruch
- OPEC+ beschloss am 1. März 2026 eine Erhöhung der Ölproduktion um 206.000 Barrel pro Tag ab April 2026 trotz des Iran-Konflikts
- Die Weltbank prognostiziert für 2026 einen Rückgang der weltweiten Ölproduktion um 1,5 Prozent
Exxon Mobil meldete für das erste Quartal 2026 einen bereinigten Konzerngewinn von 4,9 Milliarden US-Dollar – ein Rückgang um 36 Prozent gegenüber 7,7 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum und das niedrigste Niveau seit fünf Jahren. Trotz steigender Ölpreise infolge des Iran-Konflikts belasteten Verluste aus Finanzderivaten in Höhe von 706 Millionen US-Dollar das Ergebnis des weltgrössten privaten Ölkonzerns erheblich.
Erwartungen übertroffen, aber Gewinn deutlich gesunken
Mit einem Gewinn pro Aktie von 1,16 US-Dollar übertraf Exxon die Analystenschätzung von 1,03 US-Dollar um 12,6 Prozent. Der Umsatz lag mit 85,14 Milliarden US-Dollar 4,8 Prozent über den Erwartungen. Diese Zahlen konnten den massiven Gewinnrückgang jedoch nicht überdecken – ein Fünfjahrestief, das vor allem auf kriegsbedingte Störungen zurückzuführen ist.
Die Hauptursache für den Gewinneinbruch trotz höherer Ölpreise liegt in Derivateverlusten. Diese Hedging-Instrumente – Finanzprodukte, mit denen sich Unternehmen gegen Preisschwankungen absichern – schlugen mit 706 Millionen US-Dollar negativ zu Buche. Die Verluste stehen in direktem Zusammenhang mit den Störungen durch den Iran-Krieg, der seit Anfang des Jahres die Energiemärkte belastet.
Ölpreise steigen moderat – unter anfänglichen Höchstständen
Die Ölmärkte reagierten auf die militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran mit Preisanstiegen, blieben jedoch unter den anfänglichen Höchstständen. Am 2. März 2026 notierte die Nordseesorte Brent bei etwa 78 US-Dollar pro Barrel. Sowohl Brent als auch West Texas Intermediate (WTI) zogen zwar an, erreichten aber nicht die Preisniveaus, die unmittelbar nach Kriegsausbruch zu beobachten waren.
Die Weltbank prognostiziert für 2026 einen Rückgang der weltweiten Ölproduktion um 1,5 Prozent. Die Institution warnt vor Unterbrechungen der Ölförderung und Exportrouten als zentrale Risikofaktoren. Besonders vulnerable Schifffahrtsrouten wie die Strasse von Hormus, durch die etwa ein Drittel der globalen Öltransporte verlaufen, stehen im Fokus der Beobachter.
OPEC+ erhöht Produktion trotz Konflikt
Entgegen der geopolitischen Lage entschied sich OPEC+ am 1. März 2026 für eine Anhebung der Fördermengen. Ab April steigt die Produktion des Öl-Kartells um 206.000 Barrel pro Tag. Diese Entscheidung erfolgte trotz des sich zuspitzenden USA-Iran-Konflikts und dürfte darauf abzielen, mögliche Angebotsengpässe abzufedern und die Preise zu stabilisieren.
Für Exxon Mobil und den Wettbewerber Chevron bedeutet die aktuelle Situation ein paradoxes Umfeld: Höhere Ölpreise sollten eigentlich die Margen verbessern, doch operative Störungen und Absicherungskosten fressen die Gewinne auf. Die Hedging-Verluste zeigen, dass sich die Konzerne gegen stark steigende Preise abgesichert hatten – eine Strategie, die sich angesichts der tatsächlichen Preisentwicklung als kostspielig erwies.
Ausblick für Energiemärkte bleibt angespannt
Die weitere Entwicklung hängt massgeblich vom Verlauf des Iran-Konflikts ab. Solange keine grösseren Unterbrechungen der Ölförderung oder Exporte eintreten, dürften die Preise im aktuellen Korridor verharren. Die Weltbank beobachtet vor allem mögliche Störungen der Exportrouten als primären Indikator für weitere Preissprünge.
Für Exxon Mobil bedeutet das Fünfjahrestief beim Quartalsgewinn einen deutlichen Dämpfer nach Jahren hoher Profitabilität. Der Konzern bleibt aber operativ solide – die besser als erwarteten Umsatzzahlen zeigen, dass das Kerngeschäft trotz widriger Umstände funktioniert. Die Aktie gab nach Bekanntgabe der Quartalszahlen dennoch nach, was darauf hindeutet, dass Anleger die Gewinnentwicklung höher gewichten als das Übertreffen der Analystenschätzungen.
Quellen
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