
Foxconn steigert Umsatz um 29,7% dank KI-Boom – Microsoft verschiebt eigene Chip-Produktion
Von Redaktion aktie.com
Hon Hai Precision Industry, der weltweit grösste Auftragsfertiger für Elektronik und wichtiger Zulieferer von Apple, hat im abgelaufenen Quartal einen Umsatzanstieg von 29,7 Prozent verzeichnet. Das Unternehmen, das auch unter dem Namen Foxconn bekannt ist, erzielte in den drei Monaten bis Ende März einen Umsatz von 2,13 Billionen Taiwan-Dollar, umgerechnet etwa 66,5 Milliarden US-Dollar. Die Zahlen liegen knapp unter den Markterwartungen, bestätigen aber die anhaltend starke Nachfrage nach KI-Infrastruktur.
KI-Boom treibt das Geschäft
Das Wachstum ist vor allem auf die robuste Nachfrage nach KI-Servern und entsprechenden Komponenten zurückzuführen. Als Partner von Nvidia profitiert Hon Hai direkt vom Boom bei Halbleitern und KI-Chips. Die positive Entwicklung setzt sich trotz geopolitischer Spannungen im Nahen Osten fort, die seit Anfang des Jahres die Schifffahrtsrouten und Energiemärkte belasten.
Die Entwicklung zeigt, dass die Investitionszyklen im KI-Bereich derzeit weitgehend unabhängig von regionalen Konflikten verlaufen. Grosse Technologiekonzerne und Cloud-Anbieter bauen ihre Rechenzentrumskapazitäten weiter aus, was der gesamten Lieferkette zugutekommt.
Microsofts Chipstrategie verzögert sich
Gleichzeitig deutet sich eine längerfristige Verschiebung in der Branche an: Microsoft arbeitet daran, seine Abhängigkeit von Nvidia zu verringern und entwickelt eigene KI-Chips. Die Produktion des hauseigenen Maia-Chips wurde allerdings von 2025 auf 2026 verschoben – eine Verzögerung von mindestens sechs Monaten. Laut Berichten erwägt Microsoft zudem eine Zwischenlösung für 2027, um die Zeit bis zur Serienreife der eigenen Chips zu überbrücken.
Diese Strategie hat bereits Auswirkungen auf die Zuliefererlandschaft: Chiponentwickler wie Broadcom und Marvell verzeichnen steigende Auftragseingänge, da Technologiekonzerne verstärkt auf massgeschneiderte Halbleiterlösungen setzen. Microsoft plant letztlich, jährlich mehrere hunderttausend eigene KI-Chips zu produzieren.
Geopolitische Risiken belasten
Für Hon Hai selbst bleibt die geopolitische Lage eine Herausforderung. Das Unternehmen erwirtschaftete zuletzt rund 70 Prozent seines Umsatzes in China, steht dort aber zunehmend unter Druck. Steuerprüfungen und behördliche Untersuchungen in der Volksrepublik erschweren das Geschäft – Beobachter sprechen von einem politisch motivierten Vorgehen im Kontext der Spannungen zwischen China und Taiwan.
Hinzu kommen handelspolitische Unsicherheiten: US-Zölle und die Aufwertung des Taiwan-Dollars belasten die Margen. Hon Hai betreibt umfangreiche Produktionskapazitäten in China und Mexiko und ist damit besonders exponiert gegenüber protektionistischen Massnahmen.
Einordnung für Anleger
Die aktuellen Quartalszahlen belegen die Stärke der KI-Nachfrage, zeigen aber auch die strukturellen Risiken eines stark China-abhängigen Geschäftsmodells. Die Diversifizierung der Chiplieferanten durch grosse Technologiekonzerne könnte mittelfristig den Wettbewerbsdruck in der Branche erhöhen.
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