
Gold-Crash trotz Krise: Warum das Edelmetall bei Iran-Eskalation fällt
Von Redaktion aktie.com
Kernaussagen
- Der Goldpreis fiel in der Woche um den 19. März 2026 um 6 Prozent auf zeitweise 4.764 US-Dollar je Feinunze
- Der US-Dollarindex stieg seit Beginn der Iran-Eskalation um 2,5 Prozent und verdrängt Gold als bevorzugten Krisenschutz
- Gold hatte zuvor eine außergewöhnliche Rally erlebt: Von 2.625 US-Dollar Anfang 2025 auf über 5.000 US-Dollar im Januar 2026 (+75 Prozent in USD)
- Die Ölpreise kletterten parallel zum Goldverfall über 110 US-Dollar pro Barrel – ein untypisches Auseinanderdriften der Krisenmärkte
- Die US-Notenbank hielt am 18. März 2026 ihren Leitzins unverändert, während Zinserwartungen das renditlose Gold belasten
Goldpreis fällt trotz Krisenlogik
Das klassische Krisenbarometer Gold sendet widersprüchliche Signale. In der Woche um den 19. März 2026 verlor das Edelmetall 6 Prozent an Wert und rutschte zeitweise auf 4.764 US-Dollar je Feinunze – den niedrigsten Stand seit dem 6. Februar 2026. Diese Bewegung widerspricht der gängigen These, dass Gold in geopolitischen Krisen automatisch steigt. Während sich die Situation mit dem Iran verschärfte und die Ölpreise über 110 US-Dollar pro Barrel kletterten, machte das vermeintliche Krisenmetall genau das Gegenteil dessen, was Anleger erwarten würden.
Der Kontrast zur Vorjahresentwicklung könnte kaum grösser sein. Anfang 2025 notierte Gold noch bei rund 2.625 US-Dollar pro Feinunze. Die Zoll- und Aussenpolitik von Donald Trump sorgte durch wiederholte Eskalationen für einen starken Preisanstieg auf knapp 3.500 US-Dollar – ein Plus von mehr als 30 Prozent in wenigen Monaten. Im Oktober 2025 erreichte das Edelmetall 4.355 US-Dollar, im Januar 2026 sogar ein historisches Allzeithoch über 5.000 US-Dollar. Die Jahresperformance bis Januar 2026 lag damit bei über 75 Prozent in US-Dollar beziehungsweise 60 Prozent in Euro.
Der US-Dollar als neuer Krisengewinner
Der wichtigste Erklärungsfaktor für den paradoxen Goldverfall liegt in der Stärke des US-Dollar. Seit Beginn der Iran-Eskalation gewann der Dollarindex 2,5 Prozent (Stand: 18. März 2026). In akuten Krisenphasen suchen internationale Investoren offenbar verstärkt Schutz in der Weltleitwährung statt im Edelmetall. Der Dollar fungiert in diesem Umfeld selbst als sicherer Hafen – eine Rolle, die traditionell Gold zugeschrieben wurde.
Diese Verschiebung hat direkte Auswirkungen auf den Goldmarkt. Für Käufer ausserhalb des Dollarraums verteuert sich Gold unmittelbar, wenn die US-Währung aufwertet. Gleichzeitig verdrängt der starke Dollar jene Nachfrage, die normalerweise reflexartig in Gold fliessen würde. Das Phänomen ist bemerkenswert, da noch vor wenigen Jahren viele Analysten vom Niedergang des Dollar als Reservewährung ausgingen. In der aktuellen Krisenphase erweist sich diese Prognose als voreilig.
Zinserwartungen belasten das renditlose Metall
Ein zweiter Belastungsfaktor liegt in der Geldpolitik und den Zinserwartungen. Gold wirft keine laufenden Erträge ab – weder Zinsen noch Dividenden. Diese Eigenschaft macht das Edelmetall besonders anfällig, wenn die Opportunitätskosten steigen. Die US-Notenbank hielt ihren Leitzins am 18. März 2026 zwar unverändert, doch die Märkte preisen zunehmend ein, dass Zinssenkungen in weite Ferne rücken könnten.
Das Zusammenspiel aus steigenden Renditen am Anleihenmarkt und einem restriktiven geldpolitischen Ausblick verschiebt die Attraktivität zugunsten verzinslicher Anlagen. Wenn US-Staatsanleihen wieder ordentliche Realzinsen abwerfen, verliert Gold als Wertspeicher relativ an Boden. Dieser Mechanismus wirkt unabhängig von geopolitischen Spannungen und erklärt, warum die Iran-Krise nicht automatisch zu steigenden Goldpreisen führt.
Inflationsangst allein reicht nicht
Obwohl die steigenden Ölpreise Inflationsängste schüren, genügt dieser Faktor nicht mehr, um Gold zu stützen. Das Edelmetall gilt zwar traditionell als Inflationsschutz, doch diese Eigenschaft greift nur dann, wenn keine alternativen Anlagen höhere Realrenditen bieten. In einem Umfeld, in dem die Zentralbanken ihre restriktive Haltung beibehalten oder sogar verstärken könnten, verliert das Inflationsargument an Zugkraft.
Der Goldmarkt zeigt damit ein komplexeres Verhalten, als es die vereinfachte Krisenlogik suggeriert. Die Wechselwirkung aus Währungsbewegungen, Zinserwartungen und tatsächlicher Geldpolitik überlagert mittlerweile die klassische Flucht in physische Werte. Für Anleger im DACH-Raum bedeutet dies: Gold bleibt zwar ein Portfolio-Baustein zur Diversifikation, seine Rolle als verlässlicher Krisenschutz steht jedoch zunehmend in Frage.
Zwischen Rekord-Rally und Korrektur
Die aktuelle Schwäche muss im Kontext der vorangegangenen Rally betrachtet werden. Nach einem Anstieg von über 75 Prozent in US-Dollar innerhalb eines Jahres ist eine Konsolidierung weder ungewöhnlich noch unerwartet. Der Rückgang von über 5.000 US-Dollar auf zeitweise unter 4.800 US-Dollar stellt damit auch eine technische Korrektur dar, die überkaufte Positionen bereinigt.
Dennoch bleibt die Frage, ob die klassische Krisenlogik dauerhaft ausser Kraft gesetzt ist oder ob es sich um eine temporäre Anomalie handelt. Sollte die US-Notenbank doch früher als erwartet die Zinswende einleiten oder der Dollar seine Stärke verlieren, könnte Gold schnell wieder in die Gewinnerrolle zurückkehren. Bis dahin dominieren jedoch Dollar und Zinserwartungen die Richtung am Edelmetallmarkt – selbst wenn die Schlagzeilen von Krisenherden dominiert werden.
Quellen
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