
Merck erzielt Durchbruch mit oralem Cholesterinsenker Enlicitide
Von Redaktion aktie.com
Der US-Pharmariese Merck & Co. hat positive Ergebnisse für seinen experimentellen Cholesterinsenker Enlicitide Decanoate vorgelegt. In der Phase-3-Studie CORALreef AddOn senkte das oral verabreichbare Medikament den LDL-Cholesterinwert signifikant stärker als etablierte cholesterinsenkende Wirkstoffe, wenn es zusätzlich zu einer bestehenden Statintherapie eingenommen wurde.
Deutlicher Vorsprung gegenüber Standardtherapien
Enlicitide erzielte nach acht Wochen eine LDL-Cholesterinreduktion von 64,6 Prozent. Verglichen wurde das Präparat mit den drei leitlinienempfohlenen Nicht-Statin-Therapien Bempedoinsäure, Ezetimib sowie der Kombination beider Wirkstoffe. Alle Teilnehmer erhielten zusätzlich Statine als Basistherapie.
LDL-Cholesterin gilt als wesentlicher Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gelingt es, die Werte deutlich zu senken, reduziert sich das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Besonders Patienten mit heterozygoter familiärer Hypercholesterinämie – einer erblichen Fettstoffwechselstörung – erreichen trotz Statintherapie oft nicht die empfohlenen Zielwerte.
Neue Wirkstoffklasse in oraler Form
Enlicitide gehört zur Klasse der PCSK9-Inhibitoren. Das Besondere: Während bisher verfügbare PCSK9-Hemmer als Antikörper gespritzt werden müssen, lässt sich Enlicitide als Tablette einnehmen. Merck bezeichnet das Präparat als potenziell ersten zugelassenen oralen PCSK9-Inhibitor. Das Unternehmen verspricht eine ähnliche Wirksamkeit wie die injizierbaren Varianten bei deutlich komfortablerer Anwendung.
Die US-Zulassungsbehörde FDA hat dem Medikament bereits einen Priority Voucher zuerkannt, was auf die regulatorische Relevanz des Entwicklungsprogramms hinweist. Alberico Catapano, einer der leitenden Studienärzte, sieht in den Daten ein "praxisveränderndes Potenzial".
Einordnung für Anleger
Merck positioniert Enlicitide gezielt in einem wachsenden Markt. Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben weltweit die häufigste Todesursache, und Millionen Patienten erreichen ihre Cholesterinziele nicht. Ein oraler PCSK9-Inhibitor könnte die Therapietreue verbessern und neue Patientengruppen erschliessen, die Injektionen scheuen.
Allerdings steht Merck im Wettbewerb: Andere Hersteller arbeiten ebenfalls an oralen PCSK9-Hemmern. Zudem muss das Unternehmen in weiteren Studien zeigen, dass die starke LDL-Senkung sich auch in weniger Herzinfarkten und Schlaganfällen niederschlägt – die eigentlich relevanten Endpunkte. Die jetzt vorgelegten Daten sind ein wichtiger Schritt, doch bis zur möglichen Zulassung und Markteinführung bleibt der weitere Studienverlauf abzuwarten.
Merck & Co. ist an der New York Stock Exchange notiert und nicht zu verwechseln mit der deutschen Merck KGaA aus Darmstadt.
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