
Meta setzt auf Gaskraftwerke für KI-Rechenzentren – Klimaziele in Gefahr
Von Redaktion aktie.com
Meta, Microsoft und Google setzen beim Ausbau ihrer Rechenzentren für Künstliche Intelligenz massiv auf selbst finanzierte Gaskraftwerke. Diese Strategie könnte sich als problematisch erweisen – nicht nur klimapolitisch, sondern auch wirtschaftlich.
Gigantische Investitionen in fossile Energie
Meta hat für 2026 Investitionen zwischen 115 und 135 Milliarden US-Dollar angekündigt. Bis 2028 will der Konzern insgesamt 600 Milliarden Dollar in den Bau von Rechenzentren stecken. Ein Teil davon fliesst in den Aufbau eigener Kraftwerke: Für die Anlage in Louisiana finanziert Meta sieben neue Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von 7 Gigawatt. Für den grössten AI-Campus, genannt Hyperion, sind zehn Kraftwerke geplant.
Auch Microsoft, Google und Amazon investieren jeweils zwischen 75 und 100 Milliarden Dollar in den Rechenzentrumsausbau für 2025. Ein konkretes Beispiel zeigt die Dimensionen: Crusoe Energy liefert 29 Gasturbinen von GE Vernova mit einer Kapazität von über einem Gigawatt allein für AI-Rechenleistung.
Vom Stromkunden zum Kraftwerksbetreiber
Die Technologiekonzerne verlassen sich nicht mehr auf bestehende Stromnetze, sondern bauen parallel dazu eine Art "Schattennetz" aus eigenen Kraftwerken auf. Diese Entwicklung zeigt, wie schnell der Energiebedarf für AI-Anwendungen steigt: Rechenzentren verbrauchten 2024 weltweit rund 415 Terawattstunden Strom, etwa 1,5 Prozent des globalen Stromverbrauchs. In den vergangenen fünf Jahren wuchs dieser Bedarf um 12 Prozent jährlich.
In den USA liegt der Anteil bereits bei über 4 Prozent des Gesamtverbrauchs – Rechenzentren verbrauchten dort 2024 rund 183 Terawattstunden. Anfang März 2026 unterzeichneten sieben Konzerne, darunter Meta, Microsoft, Google, Amazon, OpenAI, Oracle und xAI, ein "Ratepayer Protection Pledge" im Weissen Haus. Darin verpflichten sie sich, die Kosten der Infrastruktur selbst zu tragen, um normale Stromkunden nicht zu belasten.
Widerspruch zu Klimazielen
Der massive Einsatz fossiler Energieträger steht im direkten Widerspruch zu den Klimaversprechen der Unternehmen. Meta hatte noch 2024 in seinen Nachhaltigkeitsberichten das Ziel formuliert, fossile Brennstoffe aus dem Betrieb zu eliminieren. Zum Vergleich: Alphabet (Google) hat sich verpflichtet, bis 2030 in allen Regionen, in denen das Unternehmen aktiv ist, rund um die Uhr kohlenstofffreie Energie zu nutzen – ein deutlich ambitionierteres Ziel.
Für Anleger stellt sich die Frage, ob die Wette auf Erdgas langfristig aufgeht. Regulatorische Verschärfungen im Klimaschutz könnten die Betriebskosten erheblich erhöhen. Gleichzeitig zeigt die Bereitschaft, dreistellige Milliardenbeträge in eigene Infrastruktur zu investieren, wie ernst die Konzerne das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz nehmen – und wie knapp verfügbare Energiekapazitäten bereits sind.
Artikel teilen