
Microsoft und Chevron planen 7-Milliarden-Dollar-Gaskraftwerk in Texas
Von Redaktion aktie.com
Microsoft, Chevron und der Investmentfonds Engine No. 1 verhandeln über eines der grössten Energieprojekte der USA: Ein Gaskraftwerk in West-Texas mit einem Investitionsvolumen von rund 7 Milliarden US-Dollar soll künftig Rechenzentren für künstliche Intelligenz mit Strom versorgen. Die drei Partner befinden sich in exklusiven Verhandlungen über einen langfristigen Stromliefervertrag.
2,5 Gigawatt für KI-Rechenzentren
Das geplante erdgasbetriebene Kraftwerk im Permian-Becken in West-Texas soll eine Leistung von 2.500 Megawatt erreichen — genug, um rund zwei Millionen Haushalte zu versorgen. Die Anlage ist ausschliesslich für die Stromversorgung eines grossen Microsoft-Rechenzentrums-Campus konzipiert, der KI-Anwendungen betreiben soll. Nach Fertigstellung würde das Kraftwerk zu den grössten seiner Art in den Vereinigten Staaten zählen.
Für Chevron markiert das Projekt einen strategischen Kurswechsel. Der Ölkonzern stellte die Pläne bereits im November vergangenen Jahres auf einem Investorentag vor — als Teil einer Fünfjahresstrategie, die über die traditionelle Rolle als Treibstofflieferant hinausgeht. Mit dem Einstieg in die direkte Stromerzeugung für Rechenzentren betritt Chevron Neuland.
Texas als Hotspot für Kraftwerksbauten
Das Microsoft-Chevron-Projekt reiht sich in eine beispiellose Welle von Kraftwerksneubauten in Texas ein. Entwickler planen in den kommenden Jahren den Bau von 130 neuen Gaskraftwerken im Bundesstaat. Der Hintergrund: Der Strombedarf steigt dramatisch — getrieben durch den KI-Boom, die Expansion von Rechenzentren und zunehmende Wetterextreme.
Zum Vergleich: NextEra plant in Texas und Pennsylvania Gaskraftwerke mit zusammen 10 Gigawatt Leistung. Allein das texanische Projekt Anderson County soll 5,2 Gigawatt liefern und etwa 16 Milliarden Dollar kosten — mehr als doppelt so viel wie das Microsoft-Chevron-Vorhaben, allerdings auch mit mehr als doppelter Kapazität.
Einordnung für Anleger
Die Partnerschaft zeigt, wie stark sich die Energieinfrastruktur durch KI-Anwendungen wandelt. Grosse Technologiekonzerne sichern sich zunehmend eigene Stromquellen, da herkömmliche Netze die massiven Bedarfe moderner Rechenzentren kaum decken können. Eine einzelne KI-Anfrage verbraucht ein Vielfaches der Energie einer herkömmlichen Internetsuche.
Für Microsoft bedeutet das Projekt langfristige Planungssicherheit bei den Energiekosten — ein entscheidender Faktor im Wettbewerb mit Amazon, Google und anderen Cloud-Anbietern. Chevron erschliesst sich ein neues Geschäftsfeld jenseits des volatilen Ölmarkts. Die Investitionssumme von 7 Milliarden Dollar ist beträchtlich, liegt aber im üblichen Rahmen für Grossprojekte beider Konzerne.
Offen bleibt, welche Rolle Engine No. 1 übernimmt — der aktivistische Investmentfonds war 2021 bekannt geworden, als er Chevron zu mehr Klimaschutz drängte. Die Beteiligung an einem fossilen Kraftwerksprojekt markiert eine bemerkenswerte Entwicklung.
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