
Nachhaltige Geldanlage
Von Redaktion aktie.com
Kernaussagen
- Globale nachhaltige Fonds verzeichneten 2025 Nettoabflüsse von 84 Milliarden US-Dollar nach Zuflüssen von 38 Milliarden im Jahr 2024 (Quelle: Morningstar Deutschland)
- Oliver Pfeil, CEO der ÖKOWORLD AG, bezeichnet 2026 als potenzielles Jahr der Trendwende für nachhaltige Geldanlagen
- Nachhaltige Investmentstrategien wuchsen zwischen 2009 und 2011 um 35 Prozent und übertrafen damit das Wachstum des Gesamtmarktes
- Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) veröffentlicht seit 2012 Nachhaltigkeitsprofile mit Anlagestrategien und Eckdaten zu nachhaltigen Investmentfonds
- Nachhaltige Aktien-ETFs ermöglichen eine kostengünstige und breit diversifizierte Investition in Unternehmen mit definierten Nachhaltigkeitsstandards
Globale nachhaltige Fonds verzeichneten im Gesamtjahr 2025 Nettoabflüsse in Höhe von 84 Milliarden US-Dollar, wie Morningstar Deutschland berichtet. Im Vorjahr waren noch Zuflüsse von 38 Milliarden US-Dollar in diese Anlageklasse geflossen. Dieser markante Stimmungsumschwung zeigt, dass nachhaltige Investments nach einer Phase des Hypes mit deutlichem Gegenwind konfrontiert sind.
Branche erwartet Trendwende im Jahr 2026
Oliver Pfeil, CEO der ÖKOWORLD AG, sieht 2026 als potenzielles Jahr der Trendwende. Nach den Turbulenzen des Vorjahres würden viele Anleger laut Brancheneinschätzungen die Bedeutung von nachhaltigem Investieren wieder stärker erkennen. Die Kapitalabflüsse von 2025 könnten damit eine Korrekturphase nach überzogenen Erwartungen darstellen – und nicht das Ende eines langfristigen Trends.
Die historische Entwicklung stützt diese Einschätzung: Zwischen 2009 und 2011 wuchsen nachhaltige Investmentstrategien um 35 Prozent und übertrafen damit das Wachstum des Gesamtmarktes deutlich. Solche Wachstumsphasen zeigen, dass nachhaltige Anlagen bei entsprechenden Rahmenbedingungen durchaus Anklang bei Investoren finden.
Was versteht man unter nachhaltiger Geldanlage?
Der Begriff Socially Responsible Investment (SRI) – eine Form der nachhaltigen Geldanlage – wird international unterschiedlich verwendet. Laut Gabler Banklexikon reichen die Definitionen von Investitionen, die ausschliesslich soziale Kriterien neben ökonomischen Aspekten berücksichtigen, bis hin zu Ansätzen, die zusätzlich umweltbezogene Kriterien einbeziehen. Diese Vielfalt zeigt, dass der Markt für nachhaltige Investments keine einheitliche Kategorie darstellt, sondern verschiedene Ansätze und Schwerpunkte umfasst.
In der Praxis setzen nachhaltige Anlagen häufig auf ESG-Kriterien – das Kürzel steht für Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Unternehmen werden dabei nicht nur nach finanziellen Kennzahlen bewertet, sondern auch nach ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung.
Nachhaltige ETFs als kostengünstige Einstiegsoption
Nachhaltige Aktien-ETFs (Exchange Traded Funds) ermöglichen Anlegern eine einfache und kostengünstige Investition in Unternehmen mit bestimmten Nachhaltigkeitsstandards. Ein ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Index aus mehreren Werten nachbildet und wie eine Aktie an der Börse gehandelt wird. Diese Instrumente bieten eine breite Diversifikation ohne hohe Gebühren – ein Vorteil gegenüber aktiv gemanagten Fonds, die oft höhere Verwaltungskosten verursachen.
Anleger finden auf dem Markt eine wachsende Auswahl nachhaltiger ETFs, die unterschiedliche Strategien verfolgen: Manche schliessen bestimmte Branchen wie Rüstung oder fossile Energien komplett aus (Negativkriterien), andere wählen gezielt Unternehmen mit überdurchschnittlicher ESG-Performance aus (Positivkriterien).
Orientierungshilfen für Anleger
Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) veröffentlicht seit 2012 Nachhaltigkeitsprofile, die Anlegern eine Übersicht zu nachhaltigen Anlagestrategien und relevanten Eckdaten von nachhaltigen Investmentfonds bieten. Diese Profile helfen dabei, die verschiedenen Ansätze und deren konkrete Umsetzung zu vergleichen – eine wichtige Orientierung angesichts der unterschiedlichen Definitionen und Schwerpunkte im Markt.
Für Privatanleger im DACH-Raum ist diese Transparenz besonders relevant, da nachhaltige Geldanlagen nicht automatisch eine einheitliche Qualität oder Ausrichtung garantieren. Wer in nachhaltige Fonds oder ETFs investiert, sollte sich die konkreten Auswahlkriterien und Ausschlüsse genau ansehen – die Spannbreite zwischen verschiedenen Produkten kann erheblich sein.
Ausblick auf die weitere Marktentwicklung
Die Abflüsse von 2025 dürften den Markt für nachhaltige Geldanlagen nachhaltig verändern. Produkte mit schwachen Nachhaltigkeitsstandards oder reinem Marketing-Label könnten unter Druck geraten, während Anbieter mit glaubwürdigen Strategien sich behaupten. Ob 2026 tatsächlich die von Branchenvertretern erhoffte Trendwende bringt, hängt auch von regulatorischen Entwicklungen und der allgemeinen Marktlage ab.
Anleger, die langfristig denken und Wert auf Nachhaltigkeitskriterien legen, finden mit ETFs und Fonds weiterhin Instrumente, die beide Ziele verbinden. Die aktuelle Korrekturphase könnte dabei helfen, überzogene Renditeerwartungen zu korrigieren und den Fokus wieder stärker auf die tatsächliche Nachhaltigkeitswirkung zu lenken.
Quellen
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