
NEOS-ETFs: Hohe Ausschüttungen durch Optionsverkauf – nicht durch Dividenden
Von Redaktion aktie.com
NEOS Investments bewirbt seine optionsbasierten ETFs als steuergünstige Einkommensquellen mit monatlichen Ausschüttungen. Ein genauerer Blick auf die Konstruktion und Kostenstruktur zeigt jedoch: Die hohen Renditeversprechen kommen nicht aus klassischen Dividenden, sondern primär aus Kapitalgewinnen – mit entsprechenden Implikationen für Anleger.
Optionsstrategie statt Dividendeneinkommen
Der NEOS Nasdaq-100 High Income ETF (QQQI) steht exemplarisch für das Produktkonzept des Anbieters. Der Fonds verkauft systematisch Call-Optionen auf den Nasdaq-100-Index und generiert damit laufende Einnahmen, die monatlich ausgeschüttet werden. Die beworbenen Renditen von bis zu 14,6 Prozent klingen verlockend – entstammen aber nicht traditionellen Dividendenzahlungen.
Die SEC-Rendite des QQQI beträgt lediglich 0,02 Prozent. Diese Kennzahl misst die tatsächlichen Erträge aus Wertpapieren im Portfolio, also echte Dividenden und Zinsen. Der Grossteil der Ausschüttungen stammt stattdessen aus realisierten Kapitalgewinnen durch die Optionsgeschäfte. NEOS weist selbst darauf hin, dass hypothetische Einkommensprognosen sich "zeitweise deutlich" von der tatsächlichen Fondsentwicklung unterscheiden können.
Steuervorteil durch Section 1256
Der zentrale Vorteil liegt in der steuerlichen Behandlung für US-Anleger. QQQI nutzt Indexoptionen, die unter Section 1256 des US-Steuerrechts fallen. Diese werden unabhängig von der Haltedauer zu 60 Prozent als langfristige und zu 40 Prozent als kurzfristige Kapitalgewinne besteuert – ein günstigerer Mix als bei herkömmlichen Optionen.
Zusätzlich betreibt der Fonds aktives Tax-Loss-Harvesting: Positionen werden gezielt mit Verlust verkauft, um Gewinne aus anderen Geschäften steuerlich zu kompensieren. Für Anleger ausserhalb der USA, etwa in der Schweiz oder Deutschland, greifen diese US-Steuervorteile jedoch nicht oder nur eingeschränkt. Die jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen und lokalen Steuerregeln sind massgeblich.
Kosten schmälern Nettorendite
Die Optionsstrategie ist nicht ohne Preis: QQQI verrechnet etwa 0,68 Prozent an zusätzlichen Kosten für die aktive Verwaltung der Optionspositionen. Diese Gebühren fallen zusätzlich zur Basis-Verwaltungsgebühr an und schmälern die Nettorendite spürbar.
Einordnung für Privatanleger
NEOS-ETFs sind komplex konstruierte Produkte, die primär für einkommensfokussierte Anleger konzipiert wurden. Die monatlichen Ausschüttungen können attraktiv erscheinen, basieren aber nicht auf stabilen Dividendenströmen, sondern auf volatilen Optionsprämien. Das Kurspotenzial bleibt durch die verkauften Call-Optionen begrenzt – starke Marktanstiege können nicht vollständig mitgenommen werden.
Für DACH-Anleger ist zudem zu beachten: Die US-spezifischen Steuervorteile gelten nicht automatisch. Vor einem Investment sollte die steuerliche Behandlung im Wohnsitzland geklärt werden. Die Konstruktion eignet sich eher für erfahrene Anleger, die die Funktionsweise von Optionsstrategien verstehen und bewusst auf Ausschüttungen statt Kurssteigerungen setzen.
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