
NVIDIA und Broadcom: Analysten sehen bessere AI-Aktien als SanDisk
Von Redaktion aktie.com
Die jüngste Empfehlung des US-Anlegerportals Motley Fool rückt zwei etablierte Chip-Hersteller in den Fokus: NVIDIA und Broadcom werden als langfristig attraktivere Investitionen eingestuft als der Speicherspezialist SanDisk. Die Analyse erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem SanDisk in diesem Jahr bereits 169 Prozent an Wert gewonnen hat – eine Performance, die bei Anlegern die Frage nach dem weiteren Potenzial aufwirft.
Unterschiedliche Bewertungsniveaus im Chip-Sektor
Die aktuellen Bewertungskennzahlen zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Halbleiteraktien. SanDisk weist laut TipRanks ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11,29 auf – das entspricht einer Bewertungsprämie von 253 Prozent gegenüber dem Branchenschnitt. Zum Vergleich: Micron Technology, ebenfalls ein Profiteur des KI-getriebenen Speicherbooms, handelt bei einem KGV von 7,10 und damit 122 Prozent über dem Sektordurchschnitt. Trotz des deutlichen Kursanstiegs von 46 Prozent seit Jahresbeginn erscheint Micron damit relativ günstiger bewertet.
NVIDIA hat seine Marktführerschaft im KI-Segment gefestigt und hält derzeit etwa 85 Prozent Marktanteil bei Grafikprozessoren für künstliche Intelligenz. Das Unternehmen setzt auf spezialisierte AI-ASICs – festverdrahtete Chips, die auf Langzeitperformance ausgelegt sind. Broadcom verfolgt eine ähnliche Strategie mit eigenen ASIC-Lösungen.
Strategische Neuausrichtung bei SanDisk
SanDisk, das aus einer Abspaltung von Western Digital hervorgegangen ist, hat unter CEO Goeckeler eine strategische Neuausrichtung vollzogen. Der frühere Cisco-Manager verlagerte den Fokus weg von reinen Produktionsmengen hin zu systembasierten Komplettlösungen. Die Strategie kombiniert SanDisks eigene Controller-Technologie mit NAND-Flash-Speicher zu einem integrierten Ökosystem.
Diese Neupositionierung kommt zu einem günstigen Zeitpunkt: Der Ausbau der KI-Infrastruktur treibt die Nachfrage nach Speicherlösungen deutlich an. Sowohl Micron als auch SanDisk profitieren von diesem gemeinsamen Katalysator.
Risiken bleiben bestehen
Trotz der positiven Entwicklung warnen Analysten vor den zyklischen Risiken der Halbleiterbranche. Die Branche ist bekannt für ihre "Boom-and-Bust"-Zyklen. Sollte die Industrie massiv in neue Produktionsanlagen investieren, könnte bereits 2027 ein Überangebot entstehen, das die Preise unter Druck setzen würde.
Interessanterweise bietet Motley Fool in anderen Analysen eine nuancierte Sichtweise: Während NVIDIA nicht gänzlich vernachlässigt werden sollte und weiterhin Portfoliowert bieten kann, könnten risikobereite Anleger durchaus alternative Wege in Betracht ziehen – möglicherweise auch über Speicherhersteller wie SanDisk.
Für Privatanleger im deutschsprachigen Raum bedeutet dies: Die Bewertungsunterschiede zwischen den verschiedenen Chip-Segmenten sind erheblich. Wer nach der starken Rally bei SanDisk noch einsteigen möchte, sollte die hohe Bewertungsprämie und die zyklischen Branchenrisiken in die Überlegungen einbeziehen. NVIDIA und Broadcom bieten zwar womöglich stabilere Geschäftsmodelle, sind aber ebenfalls nicht günstig bewertet.
Artikel teilen