
NVIDIA verdoppelt KI-Chip-Prognose auf eine Billion Dollar bis 2027
Von Redaktion aktie.com
Der Halbleiterkonzern NVIDIA hat Mitte März auf seiner Entwicklerkonferenz GTC in San Jose eine deutlich ausgeweitete Umsatzprognose vorgelegt. CEO Jensen Huang bezifferte die Umsatzchancen für KI-Chips bis 2027 auf eine Billion US-Dollar – eine Verdoppelung gegenüber der bisherigen Schätzung von 500 Milliarden Dollar bis 2026. Die Aktie schloss am Konferenztag 1,6 Prozent im Plus.
Strategischer Schwenk auf Inferenz-Computing
NVIDIA vollzieht damit einen bemerkenswerten Kurswechsel: Während das Unternehmen bislang vor allem vom Training grosser KI-Modelle profitierte, rückt nun das sogenannte Inferenz-Computing in den Fokus. Dabei geht es um die Anwendung bereits trainierter Modelle – etwa wenn ChatGPT eine Nutzeranfrage beantwortet. Diese Rechenaufgabe unterscheidet sich grundlegend vom Trainingsvorgang und erfordert andere Chip-Architekturen.
Die technischen Fortschritte sind erheblich: NVIDIAs neue Blackwell-Architektur liefert über 1000 Tokens pro Sekunde und Nutzer – eine 15-fache Verbesserung gegenüber der Vorgängergeneration. Gleichzeitig sind die Kosten für Inferenz-Berechnungen seit Ende 2022 um das 280-Fache gesunken. Diese Entwicklung verändert die Wirtschaftlichkeit von KI-Anwendungen grundlegend und dürfte die Verbreitung in der Breite beschleunigen.
Lizenzierung von Groq-Technologie überrascht
Ungewöhnlich ist die im Dezember bekannt gewordene Lizenzierung von Technologie des KI-Chip-Startups Groq für 17 Milliarden Dollar. NVIDIA, bislang als reiner Lizenzgeber bekannt, sicherte sich damit Expertise speziell für Inferenz-Aufgaben. Auf der GTC stellte Huang neue Prozessoren und KI-Systeme vor, die auf dieser Technologie basieren.
Wachstumsmarkt mit steigendem Wettbewerbsdruck
Der globale Markt für KI-Chips soll nach Branchenschätzungen von knapp 103 Milliarden Dollar 2025 auf über 1,3 Billionen Dollar bis 2035 wachsen – das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 29,4 Prozent. Treiber sind Rechenzentren, Cloud-Anwendungen und zunehmend auch Endgeräte mit KI-Funktionen.
Allerdings intensiviert sich der Wettbewerb: AMDs MI300-Chip zeigt in aktuellen Benchmarks vergleichbare Leistung zu NVIDIAs H100 und frühen Blackwell-Versionen, besonders bei speicherintensiven Aufgaben. Zudem expandiert Chinas Chip-Industrie laut Branchenberichten "schneller als erwartet", getrieben durch den globalen KI-Boom.
Einordnung für Anleger
Analyst Jacob Bourne von Emarketer wertet NVIDIAs Prognose als Signal, dass die KI-Industrie von der Experimentierphase in die grossflächige Infrastruktur-Ausrollung übergeht. Die ausgeweitete Umsatzprognose deutet auf anhaltendes Vertrauen in die Nachfrage hin – allerdings bei gleichzeitig wachsendem Konkurrenzdruck. Anleger sollten beobachten, ob NVIDIA seine Dominanz auch im Inferenz-Segment etablieren kann.
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