
Ölpreis explodiert: So profitieren Anleger vom Iran-Konflikt
Von Redaktion aktie.com
Kernaussagen
- Der Ölpreis stieg in der Spitze auf knapp 120 Dollar, Gaspreise verdoppelten sich zeitweise seit Beginn des Iran-Kriegs
- Die EZB prognostiziert für 2026 einen Preisanstieg um 2,6 Prozent, bei Ölpreisen über 100 Dollar könnte die Inflation auf über drei Prozent steigen
- Chefökonom Edgar Walk vom Bankhaus Metzler erwartet eine Inflationsrate in der Eurozone von drei bis vier Prozent in den nächsten sechs bis neun Monaten
- Gold und Öl steigen deutlich an, während der DAX starke Verluste verzeichnet
- Ölmarktanalystin Vandana Hari von Vanda Insights rechnet mit Ölpreisen in enger Spanne auf absehbare Zeit
- Europa ist heute weniger vom Öl abhängig als in den 1970er-Jahren, das Risiko hat sich jedoch auf Strom und Gas verschoben
Die Eskalation im Nahen Osten hat die Energiemärkte erfasst. Der Ölpreis kletterte in der Spitze auf knapp 120 Dollar (Stand: März 2026, Quelle: Tagesschau), während sich Gaspreise zeitweise verdoppelten. Für Anleger im DACH-Raum bedeutet das eine neue Herausforderung: Einerseits bieten steigende Rohstoffpreise Ertragschancen, andererseits droht ein toxischer Mix aus Inflation, steigenden Zinsen und fallenden Aktienkursen. Der DAX verzeichnet bereits starke Verluste.
Wie stark steigen die Energiepreise wirklich?
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit Beginn des Iran-Kriegs schoss der Ölpreis in der Spitze auf knapp 120 Dollar (Quelle: Tagesschau). Das entspricht einem Anstieg von rund 50 Prozent gegenüber den Notierungen zu Jahresbeginn. Parallel dazu verdoppelten sich die Gaspreise zeitweise, was besonders für Europa relevant ist.
Ölmarktanalystin Vandana Hari von Vanda Insights rechnet jedoch nicht mit einer dauerhaften Explosion nach oben. Ihrer Einschätzung zufolge dürften Ölpreise auf absehbare Zeit in einer engen Spanne handeln. Die Märkte reagieren sensibel auf jede Nachricht aus dem Iran – Geopolitik treibt die Volatilität, nicht fundamentale Angebots- und Nachfragedaten.
Das Problem für Rohstoffanleger: Unsicherheit ist Gift für längerfristige Positionen. Rohstoffe werden teilweise weit in die Zukunft gehandelt und sind auf belastbare Prognosen angewiesen. In der aktuellen Situation, in der sich beide Parteien um Gespräche bemühen, gleichzeitig aber die Drohkulisse aufrechterhalten, ist theoretisch erst einmal alles möglich.
Droht ein neuer Inflationsschock für die Eurozone?
Höhere Energiepreise wirken besonders schnell auf die Teuerungsrate ein. Steigende Ölpreise schlagen sich unmittelbar in den Kosten für Benzin und Heizöl nieder und verteuern gleichzeitig Transport und Produktion. Die Europäische Zentralbank (EZB) prognostiziert für 2026 einen Preisanstieg um 2,6 Prozent – doch diese Prognose stammt noch aus einer Zeit vor der jüngsten Eskalation.
Entscheidend ist die Dauer des Konflikts. Bei rascher Beilegung dürften Ölpreise prompt fallen und allenfalls temporäre Inflationsverzerrungen entstehen. Sollte der Ölpreis jedoch längere Zeit im Schnitt bei 80 Dollar oder über 100 Dollar liegen, hätte das nachhaltige Effekte auf die Inflation, so Sonja Marten, Chefvolkswirtin der DZ Bank (Quelle: Tagesschau).
Chefökonom Edgar Walk vom Bankhaus Metzler prognostiziert in diesem Szenario, dass die Inflationsrate in der Eurozone in den nächsten sechs bis neun Monaten "auf über drei Prozent, vielleicht sogar Richtung vier Prozent" anziehen dürfte (Quelle: Tagesschau). Das würde die EZB unter Druck setzen und könnte die erhoffte Zinssenkungspolitik gefährden.
Ein wichtiger Unterschied zu den 1970er-Jahren: Europa ist heute weniger vom Öl abhängig. Das Risiko hat sich jedoch verschoben – Öl wurde in vielen Bereichen durch Gas und Strom ersetzt, was die Volkswirtschaften anfällig für andere Energiepreisschocks macht.
Welche Anlagestrategien funktionieren jetzt?
Direktinvestments in Öl und Gas
Anleger, die auf weiter steigende Ölpreise setzen wollen, haben mehrere Möglichkeiten. Die direkteste Form sind Rohöl-Futures oder börsengehandelte Rohstoffe (ETCs) auf Brent oder WTI. Ein ETC ist ein börsengehandeltes Wertpapier, das die Preisentwicklung eines Rohstoffs abbildet, ohne dass Anleger physische Fässer lagern müssen.
Das Risiko: Die hohe Volatilität macht diese Instrumente nur für erfahrene Anleger geeignet. Wer bei 120 Dollar einsteigt und der Konflikt wird überraschend beigelegt, kann in wenigen Tagen 20 bis 30 Prozent Verlust erleiden. Gleichzeitig besteht die Chance, von weiteren Preissteigerungen zu profitieren, falls sich die Lage verschärft.
Aktien von Öl- und Gaskonzernen
Eine gemässigtere Alternative sind Aktien etablierter Energiekonzerne. Diese profitieren von höheren Ölpreisen durch gestiegene Margen, bieten aber gleichzeitig Dividenden und sind weniger volatil als direkte Rohstoffinvestments. Zudem können Anleger hier auf diversifizierte Geschäftsmodelle setzen, die auch erneuerbare Energien umfassen.
Der Nachteil: Energieaktien reagieren nicht eins zu eins auf Ölpreisbewegungen. Regulatorische Risiken, Unternehmensführung und die allgemeine Aktienmarktstimmung spielen ebenfalls eine Rolle. Bei einem schwachen DAX und einer fragilen Wall Street können auch Energieaktien unter Druck geraten.
Gold als Absicherung
Gold steigt parallel zu Öl deutlich an und erfüllt in geopolitischen Krisen seine klassische Funktion als sicherer Hafen. Die geopolitische Lage, die Angst vor wirtschaftlichen Krisen und die hohe Verschuldung westlicher Staaten verstärken den Wunsch nach einem sicheren Hafen, den Gold weiterhin erfüllt (Quelle: Goldherzreport).
Für DACH-Anleger bedeutet das: Gold dient als Portfolioabsicherung gegen die Kombination aus steigender Inflation und fallenden Aktienmärkten. Wer bereits vor der Krise Gold im Depot hatte, profitiert jetzt von dieser Diversifikation. Allerdings warnt der Goldherzreport auch, dass Edelmetalle trotz Nahost-Konflikt phasenweise fallen können – eine lineare Aufwärtsbewegung ist nicht garantiert.
Was macht der toxische Mix mit Aktienportfolios?
Die Kombination aus steigenden Rohstoffpreisen, drohender Inflation und Zinsangst ist für Aktienanleger besonders gefährlich. Der DAX verliert stark, die Wall Street zeigt schwache Eröffnungstendenzen (Quelle: Welt). Gleichzeitig steigen Gold- und Ölpreis deutlich – ein toxischer Mix, vor allem wenn Anleger in Panik geraten.
Panikverkäufe verschlimmern die Situation. Wer jetzt überstürzt aus Aktien aussteigt, realisiert Verluste und verpasst möglicherweise die Erholung, sobald sich die geopolitische Lage beruhigt. Andererseits besteht das Risiko, dass eine anhaltende Inflation die Gewinnmargen der Unternehmen schmälert und Aktienbewertungen langfristig unter Druck setzt.
Experten warnen vor einer ähnlich drastischen Entwicklung wie in früheren Ölpreiskrisen, sollte Rohöl wegen des Krieges in Nahost lange auf einem hohen Preisniveau verharren (Quelle: finanzen.net). Das Jahr 2026 könnte sich zum Härtetest für den DAX entwickeln.
Wie reagiert die EZB auf steigende Energiepreise?
Die Europäische Zentralbank steht vor einem Dilemma. Einerseits hatte sie für 2026 weitere Zinssenkungen in Aussicht gestellt, um die Konjunktur zu stützen. Andererseits könnte eine Inflationsrate von drei bis vier Prozent sie zum Handeln zwingen. Ökonomen rechnen damit, dass die EZB schnell reagieren dürfte, sollten die Energiepreise dauerhaft erhöht bleiben (Quelle: Tagesschau).
Für Anleger im DACH-Raum bedeutet das: Steigende Zinsen belasten Anleihen und machen Aktien relativ unattraktiver. Gleichzeitig könnten höhere Zinsen den Euro stärken, was Schweizer Anlegern zugutekommt, deutsche und österreichische Investoren aber bei internationalen Investments belastet.
Fazit: Chancen nutzen, Risiken managen
Der Iran-Konflikt bietet Anlegern durchaus Ertragschancen – vorausgesetzt, sie verstehen die Risiken und handeln besonnen. Direktinvestments in Öl sind hochvolatil und nur für erfahrene Anleger geeignet. Energieaktien bieten eine gemässigtere Alternative, leiden aber unter der allgemeinen Aktienschwäche. Gold erfüllt seine Funktion als Portfolioabsicherung, garantiert aber keine linearen Gewinne.
Die entscheidende Frage bleibt: Wie lange dauert der Konflikt? Bei rascher Beilegung dürften die Märkte sich schnell beruhigen und Ölpreise prompt fallen. Bei anhaltender Eskalation droht jedoch ein Inflationsschock, der die EZB zum Handeln zwingt und Aktienportfolios belastet. Anleger sollten jetzt auf Diversifikation setzen und Panikverkäufe vermeiden – auch wenn die Versuchung in volatilen Zeiten gross ist.
Quellen
- Geben steigende Öl- und Gaspreise der Inflation neuen Schub? - Tagesschau
- Krieg am Golf: Gold, Öl, ETFs - Was Anleger nach der Iran-Attacke jetzt wissen müssen - Die Welt
- Gold im Kriegsmodus – Warum Edelmetalle trotz Nahost-Konflikt fallen - Goldherzreport
- Zwischen Ölpreis-Schock und Zinsangst: Iran-Krieg als Stresstest für den DAX - finanzen.net
- Hohe Unsicherheit und geopolitisches Risiko – Ölpreise bleiben gestützt - EDI Hohenlohe
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