
Rekordhandel bei US-Staatsanleihen: Märkte erwarten deutlich weniger Zinssenkungen
Von Redaktion aktie.com
Der Handel mit US-Staatsanleihen hat im März 2026 Rekordvolumina erreicht. Händler bauen ihre Bestände aus, während die Märkte ihre Erwartungen an Zinssenkungen durch die US-Notenbank massiv zurückschrauben. Die Entwicklung spiegelt eine grundlegende Neubewertung der geldpolitischen Aussichten wider.
Drastischer Rückgang der Zinssenkungserwartungen
Marktteilnehmer erwarten mittlerweile für das laufende Jahr nur noch Zinssenkungen von rund 60 Basispunkten – der niedrigste Stand seit Oktober. Im Januar hatten die Märkte noch mit 150 Basispunkten gerechnet. Ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozentpunkten. Die Reduktion um 90 Basispunkte innerhalb weniger Monate zeigt, wie stark sich die Einschätzung zur Federal Reserve gedreht hat.
Analysten raten Anlegern, sich auf anhaltend höhere Realzinsen einzustellen. Eine Zinssenkung in naher Zukunft gilt als zunehmend unwahrscheinlich. Die Realzinsen – also Nominalzinsen abzüglich der Inflationsrate – bestimmen massgeblich die tatsächliche Attraktivität von Anlagen.
Anleiherenditen steigen deutlich
Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sind zuletzt auf 4,36 Prozent geklettert. Geopolitische Unsicherheiten trugen zu diesem Anstieg bei. Vishal Khanduja, Co-Leiter des Fixed-Income-Teams bei Morgan Stanley Investment Management, interpretiert den jüngsten Renditeanstieg als "Korrektur in der Mitte des Zyklus". Er geht davon aus, dass die Zinsen langfristig sinken werden, was Anleihen wieder attraktiver machen könnte. Kurzfristig deutet jedoch vieles auf ein anhaltendes Hochzinsumfeld hin.
Auswirkungen auf Aktien und Sektoren
Das veränderte Zinsumfeld hinterlässt deutliche Spuren an den Aktienmärkten. Der SPDR S&P 500 ETF Trust (SPY), mit einem verwalteten Vermögen von 693,3 Milliarden US-Dollar einer der grössten börsengehandelten Fonds weltweit, verlor im Februar 0,77 Prozent. Damit schnitt der Fonds schlechter ab als der Durchschnitt vergleichbarer Produkte, die 0,16 Prozent verloren.
Besonders zinsempfindliche Sektoren verzeichnen deutliche Abflüsse. Der Immobiliensektor ist am stärksten betroffen: Der Vanguard Real Estate ETF (VNQ) gab merklich nach. Höhere Zinsen verteuern die Immobilienfinanzierung und machen klassische Anleihen im Vergleich zu REIT-Dividenden attraktiver. REITs (Real Estate Investment Trusts) sind börsennotierte Immobiliengesellschaften, die den Grossteil ihrer Erträge als Dividenden ausschütten müssen.
Einordnung für Anleger
Die Entwicklung zeigt, wie stark sich Markteinschätzungen innerhalb kurzer Zeit ändern können. Für Anleger im deutschsprachigen Raum sind die US-Zinsen relevant, da sie globale Kapitalströme beeinflussen und oft als Referenzgrösse für andere Märkte dienen. Wer breit gestreute ETFs wie den SPY hält, sollte mit erhöhter Volatilität rechnen, solange die Unsicherheit über den Zinspfad anhält.
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