
S&P 500: Warum ich die 9-Prozent-Korrektur zum Nachkauf genutzt habe
Von Redaktion aktie.com
Der S&P 500 hat in den vergangenen Wochen knapp neun Prozent verloren. Auslöser war der mittlerweile über einen Monat andauernde Iran-Konflikt, dessen Auswirkungen auf die Finanzmärkte stärker ausfallen als zunächst erwartet. Während einige Anleger verunsichert auf die Kursverluste reagieren, nutzen andere die Korrektur gezielt zum Nachkauf – gestützt auf historische Muster und langfristige Bewertungsüberlegungen.
Korrektur im historischen Kontext
Ein Rückgang von rund neun Prozent bewegt sich im Rahmen einer klassischen Marktkorrektur. Diese liegt definitionsgemäss zwischen fünf und zehn Prozent unter dem jüngsten Höchststand. Nach Daten von Invesco erholt sich der Markt von solchen Rückgängen im Durchschnitt innerhalb von drei Monaten. Fällt der Index um zehn bis zwanzig Prozent, verlängert sich die durchschnittliche Erholungsphase auf acht Monate.
Die Betonung liegt dabei auf "durchschnittlich". Historische Ausreisserfälle zeigen deutlich längere Zeiträume: Nach dem Crash vom Oktober 1987, als der S&P 500 auf 230,30 Punkte abstürzte, dauerte es bis Juli 1989 – also knapp zwei Jahre – bis der Index sein Vorkrisenniveau von 336,77 Punkten wieder erreichte. Die Finanzkrise 2008 benötigte je nach Rechnung drei bis fünf Jahre zur vollständigen Erholung. Zwischen 2000 und 2011 durchlief der Markt nach dem Platzen der Dotcom-Blase und der Finanzkrise sogar eine Phase stagnierender Gesamtrenditen.
Bewertung nach wie vor über dem Durchschnitt
Trotz des Rückgangs liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 aktuell bei 19,9 auf Basis der erwarteten Gewinne der kommenden zwölf Monate. Der Zehnjahresschnitt beträgt 18,9. Der Index notiert damit weiterhin leicht über seiner historischen Durchschnittsbewertung – ein Hinweis darauf, dass die Korrektur bislang keine fundamentale Unterbewertung geschaffen hat.
Panikverkäufe als klassischer Anlegerfehler
Ein zentrales Risiko in Korrekturphasen besteht im voreiligen Verkauf. Anleger, die bei fallenden Kursen aussteigen, realisieren nicht nur ihre Buchverluste, sondern verpassen in der Regel auch die anschliessende Erholung. Besonders bei langfristigen Anlagezielen wie der Altersvorsorge raten Experten davon ab, während einer Marktkorrektur die eigene Risikotoleranz grundlegend zu überdenken. Solche strategischen Entscheidungen sollten in ruhigeren Marktphasen getroffen werden.
Einordnung für Schweizer Anleger
Für Privatanleger im deutschsprachigen Raum, die über ETFs oder Fonds in den S&P 500 investiert sind, gilt: Die Währungskomponente spielt eine zusätzliche Rolle. Ein schwächerer US-Dollar kann Verluste in Dollar verstärken, wenn sie in Schweizer Franken oder Euro umgerechnet werden. Gleichzeitig bieten Korrekturen langfristig orientierten Anlegern Gelegenheiten zum Nachkauf zu niedrigeren Bewertungen – sofern die persönliche Anlagestrategie und Risikofähigkeit dies erlauben.
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