
Straße von Hormus im Visier: Iran attackiert Israel-nahen Tanker – Schifffahrts-Aktien reagieren
Von Redaktion aktie.com
Kernaussagen
- Iran greift Schiffe in der Straße von Hormus an – ein Tanker ging nahe dem Hafen Khor Fakkan nach einem Treffer in Flammen auf (April 2026)
- Versicherungsprämien für die Passage steigen auf 5 bis 10 Prozent des Schiffswerts – für einen 100-Millionen-Dollar-Tanker bedeutet das bis zu 10 Millionen Dollar
- Die iranische Regierung kontrolliert faktisch den Zugang zur Meerenge, Schiffe benötigen iranische Genehmigungen für die Passage
- Iranisches Parlament prüft Maut-Einführung für Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus in Höhe von bis zu 2 Millionen Dollar pro Schiff
- Deutsche Reeder lehnen Maut-Zahlung ab – VDR-Sprecher Carsten Duif erklärt, Mitgliedsunternehmen würden unter diesen Bedingungen weder zahlen noch passieren
- Das US-Militär berät über Eskorte-Strategien für Tanker, während Donald Trump Iran vor Konsequenzen "in nie gesehenem Ausmaß" warnt
Iran hat am Wochenende eine Serie von Angriffen auf Schiffe in der strategisch wichtigen Straße von Hormus durchgeführt. Ein Tanker ging nach einem Treffer nahe dem Hafen Khor Fakkan in Flammen auf, wie aus Berichten vom 5. April 2026 hervorgeht. Die iranische Regierung kontrolliert inzwischen faktisch den Zugang zur Meerenge – Schiffe benötigen iranische Genehmigungen für die Passage.
Versicherungsprämien explodieren auf Rekordniveau
Die Eskalation trifft die Schifffahrtsbranche hart. Versicherungsprämien für die Passage durch die Straße von Hormus sind laut Euronews auf 5 bis 10 Prozent des Schiffswerts gestiegen. Für einen Very Large Crude Carrier (VLCC) – ein Supertanker mit einem Wert von rund 100 Millionen Dollar (90 Millionen Euro) – bedeutet das Zusatzkosten von bis zu 10 Millionen Dollar pro Durchfahrt.
Zum Vergleich: Vor Beginn des Konflikts lagen die Versicherungsprämien deutlich niedriger. Die US-Regierung hat ein 20-Milliarden-Dollar-Rückversicherungsabkommen aufgelegt, um den Mangel an bezahlbarer Versicherung abzumildern, wie Die Zeit berichtet. Dennoch ziehen Versicherer zunehmend Deckungen zurück oder verlangen prohibitiv hohe Prämien.
Iran prüft Maut-Einführung – deutsche Reeder lehnen ab
Neben den militärischen Risiken droht eine weitere finanzielle Belastung. Ein iranischer Parlamentarier erklärte laut der Nachrichtenagentur ISNA, das Parlament prüfe Abgaben auf den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. Die Maut wird auf bis zu 2 Millionen Dollar pro Schiff geschätzt.
Deutsche Reeder reagieren ablehnend. Carsten Duif, Sprecher des Verbands Deutscher Reeder (VDR), stellte klar: "VDR-Mitgliedsunternehmen würden weder die Zahlung einer Maut noch eine Passage unter diesen Bedingungen in Betracht ziehen." Die Bedingungen seien unklar und intransparent, zudem könne man sich nicht auf eine sichere Durchfahrt verlassen. Dies schaffe ein hohes Maß an Unsicherheit, das für die Schifffahrt schwer kalkulierbar sei.
Nur noch Iran-verbundene Tanker passieren die Meerenge
Datenanalysen zeigen, dass die meisten voll beladenen Tanker, die die Meerenge noch passieren, mit Iran verbunden sind oder über eine direkte Genehmigung der iranischen Behörden verfügen. Reedereien meiden die Wasserstraße zunehmend, wie die Tagesschau berichtet. Vor der Straße von Hormus stauen sich Schiffe, die auf Alternativrouten ausweichen oder auf eine Deeskalation warten.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten weltweit – etwa ein Drittel des global transportierten Erdöls passiert die nur 55 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.
Berichte über Verminung und militärische Eskalation
Berichte der vergangenen Tage legten nahe, dass Iran begonnen haben könnte, die Straße zu verminen. US-Präsident Donald Trump warnte Iran, es werde Konsequenzen "in einem bislang nie gesehenen Ausmaß" zu spüren bekommen, falls es Sprengsätze in der Straße von Hormus platzieren sollte. Trump betonte jedoch, es gebe derzeit keinen Hinweis darauf, dass Iran dies bereits getan habe.
Das US-Militär berät aktuell, wie Tanker in der Straße am besten eskortiert werden können. Eine militärische Begleitung von Handelsschiffen würde die Spannungen in der Region weiter verschärfen und könnte die ohnehin angespannte Sicherheitslage zusätzlich destabilisieren.
Auswirkungen auf Schifffahrts-Aktien und Ölpreis
Die Unsicherheit belastet Schifffahrts-Aktien, während Experten mit einem massiven Anstieg des Ölpreises rechnen. Reedereien stehen vor der Wahl zwischen prohibitiv teuren Versicherungsprämien, unsicheren Passagerechten und langen Alternativrouten um das Kap der Guten Hoffnung, die mehrere Wochen zusätzliche Fahrzeit bedeuten.
Für Anleger bedeutet die Lage ein komplexes Bild: Während Tankerreedereien mit höheren Frachtraten von Alternativrouten profitieren könnten, belasten gestiegene Versicherungskosten und reduzierte Volumina die Margen. Zugleich dürfte die Verknappung des Ölangebots die Preise treiben – mit entsprechenden Auswirkungen auf energieintensive Industrien und Verbraucher im DACH-Raum.
Quellen
- 3 Tanker der staatlichen iranischen Reederei verlassen die Straße von Hormus mit 5 Millionen Barrel Öl - FOCUS online
- Schiffe brauchen iranische Genehmigung für Hormus-Passage, Risiken und Versicherungsprämien steigen | Euronews
- Dutzende Schiffe attackiert: Iran legt für die Wirtschaft lebenswichtige Straße von Hormus faktisch lahm
- Nach Angriffen auf Schiffe in Straße von Hormus: Anstieg von Ölpreis erwartet | tagesschau.de
- Straße von Hormus: Welche Auswirkungen hat der Krieg im Nahen Osten auf die Schifffahrt? | DIE ZEIT
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