
US-Aktien steigen nach Iran-Waffenruhe: Erholung bereits wieder unter Druck
Von Redaktion aktie.com
Kernaussagen
- Der DAX legte nach Ankündigung der zweiwöchigen Waffenruhe zwischen USA und Iran zum Handelsbeginn fast fünf Prozent zu
- Die Ölpreise gaben deutlich nach, liegen aber noch rund ein Drittel höher als vor Beginn der Angriffe Ende Februar 2026
- Am Folgetag der Rally verlor der S&P 500 1,4 Prozent, der Nasdaq 100 gab 1,9 Prozent ab
- Der Handel an der südkoreanischen Börse musste zeitweise wegen starker Kursbewegungen ausgesetzt werden
- Die Waffenruhe wurde kurz vor Ablauf eines Ultimatums von US-Präsident Donald Trump vereinbart
- Historische Analysen zeigen, dass nach geopolitischen Schocks oft kräftige Erholungen folgen
Die USA und der Iran einigten sich auf eine zweiwöchige Waffenruhe, die kurz vor Ablauf eines Ultimatums von US-Präsident Donald Trump zustande kam. Die Vereinbarung umfasst auch die Öffnung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten globalen Öl-Transportrouten.
Sofortige Marktreaktion: DAX springt fast fünf Prozent
Die globalen Aktienmärkte reagierten unmittelbar auf die Waffenruhe-Ankündigung mit deutlichen Kursgewinnen. Der DAX legte zum Handelsbeginn fast fünf Prozent zu, was eine der stärksten Tagesperformances der vergangenen Monate darstellt. Auch die Börsen in Ostasien verzeichneten starke Zugewinne – an der südkoreanischen Börse musste der Handel zeitweise ausgesetzt werden, da die Kursbewegungen die technischen Schwellenwerte überschritten.
Die Erleichterung der Investoren gründet auf der Hoffnung, dass die Eskalation im Nahen Osten vorerst gestoppt ist. Die Konfrontation zwischen den USA und Iran sowie die damit verbundenen Angriffe Israels auf den Iran und dessen Gegenschläge auf Staaten in der Region hatten seit Ende Februar 2026 die Märkte belastet.
Ölpreise fallen – bleiben aber auf erhöhtem Niveau
Besonders deutlich fiel die Reaktion am Energiemarkt aus. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni sackte nach der Waffenruhe-Verkündung rasant ab. Die zuletzt stark gestiegenen Ölpreise gaben deutlich nach, was die Börsen zusätzlich stützte.
Trotz des Rückgangs liegen die Ölpreise noch immer rund ein Drittel höher als vor Beginn der militärischen Auseinandersetzungen Ende Februar. Die Spritpreise an den Tankstellen blieben trotz des Ölpreisrückgangs auf hohem Niveau, was Verbraucher im DACH-Raum weiterhin belastet.
Gewinnmitnahmen setzen bereits am Folgetag ein
Die anfängliche Euphorie erwies sich als kurzlebig. Nach der sehr starken Erholung gaben die asiatischen Börsen bereits am darauffolgenden Donnerstag wieder deutlich Gewinne ab. An der Wall Street zeigten sich kurz nach Handelseröffnung erhebliche Schwächen: Der S&P 500 handelte 1,4 Prozent niedriger, der Nasdaq 100 verlor 1,9 Prozent.
Die schnellen Gewinnmitnahmen deuten darauf hin, dass Anleger die zweiwöchige Waffenruhe als zu kurz und unsicher einstufen, um eine nachhaltige Erholung zu rechtfertigen. Die Volatilität – ein Maß für die Schwankungsbreite der Kurse – bleibt damit hoch.
Historische Muster sprechen für Erholungspotenzial
Historische Untersuchungen zu geopolitischen Krisen legen ein wiederkehrendes Muster nahe: Nach geopolitischen Schocks folgt oft eine kräftige Erholung der Aktienmärkte. Analysten verweisen darauf, dass Aktienmärkte nach Phasen politisch und wirtschaftlich bedingter Unsicherheit häufig wieder stärker durch fundamentale Faktoren wie Unternehmensgewinne und Konjunkturdaten getragen werden.
Allerdings bleibt unklar, ob dieses Muster auch im aktuellen Fall greift. Die zweiwöchige Dauer der Waffenruhe ist vergleichsweise kurz, und eine dauerhafte Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht. Sollte die Waffenruhe nicht verlängert oder in eine dauerhafte Vereinbarung überführt werden, dürfte die Unsicherheit schnell zurückkehren.
Einschätzung: Zwischen Hoffnung und Vorsicht
Die Marktreaktion auf die Waffenruhe zeigt das typische Spannungsfeld zwischen kurzfristiger Erleichterung und langfristiger Unsicherheit. Die deutlichen Kursgewinne am ersten Tag spiegeln die Hoffnung wider, dass eine Eskalation vermieden wurde. Die schnellen Gewinnmitnahmen am Folgetag verdeutlichen jedoch, dass viele Investoren skeptisch bleiben.
Für Anleger im DACH-Raum bedeutet dies: Die Volatilität dürfte in den kommenden Wochen hoch bleiben. Ob sich die Erholung als nachhaltig erweist, hängt massgeblich davon ab, ob die Waffenruhe verlängert wird und ob eine diplomatische Lösung des Konflikts in Reichweite kommt. Bis dahin dürften die Märkte zwischen Hoffnung und Vorsicht schwanken.
Quellen
- Marktbericht: Waffenruhe löst Aktienrally aus | tagesschau.de
- Krieg im Iran: Ölpreis gibt deutlich nach – Börsen reagieren erleichtert | DIE ZEIT
- Nach Waffenruhe-Ankündigung: Ölpreis bricht ein – Spritpreise weiter auf hohem Niveau - Wirtschaft - SZ.de
- Warum die Iran-Krise eine massive US-Börsenrally auslösen könnte - Newsbit.de
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