
Vietnam plant Börsen-Stützungsmaßnahmen wegen Iran-Krise
Von Redaktion aktie.com
Kernaussagen
- Der vietnamesische Leitindex brach am 9. März 2026 um 6,5% ein und verzeichnete im gesamten März einen Rückgang von 9,3%
- Das Ministerium für öffentliche Sicherheit unterbreitete am 17. März 2026 einen Maßnahmenkatalog zur Marktstabilisierung, darunter einen staatlich garantierten Stabilisierungsfonds
- Vietnam bezieht den Großteil seines Öls aus der Golfregion, was das Land besonders anfällig für die Iran-Krise macht
- Eine Korrektur von 12% in den ersten sechs Handelstagen des März machte Vietnam zu einem der schwächsten Aktienmärkte Asiens
- Das Büro des Premierministers wies am 25. März das Finanzministerium und die Zentralbank an, auf Grundlage der Empfehlungen tätig zu werden
Das vietnamesische Ministerium für öffentliche Sicherheit unterbreitete am 17. März 2026 Premierminister Pham Minh Chinh einen umfassenden Maßnahmenkatalog zur Stabilisierung des eingebrochenen Aktienmarktes. Kern der Vorschläge ist die Einrichtung eines staatlich garantierten Stabilisierungsfonds, nachdem der Leitindex im März infolge der Iran-Kriegswirren um 9,3% eingebrochen war.
Dramatischer Einbruch im März
Der vietnamesische Aktienmarkt geriet im März unter erheblichen Verkaufsdruck. Am 9. März brach der Leitindex um 6,5% ein – einer der schwersten Einzeltagesverluste seit Jahren. In den ersten sechs Handelstagen des Monats summierte sich die Korrektur bereits auf 12%. Über den gesamten März gerechnet verlor der Index 9,3% und zählte damit zu den schwächsten Aktienmärkten Asiens.
Auslöser der Turbulenzen waren die eskalierenden Spannungen rund um den Iran-Konflikt und die damit verbundenen wirtschaftlichen Unsicherheiten. Besonders die Befürchtungen vor Kraftstoffknappheit belasten die Stimmung vietnamesischer Anleger, da das Land den Großteil seines Öls aus der Golfregion bezieht. Eine Unterbrechung der Lieferketten durch den Konflikt hätte direkte Auswirkungen auf die vietnamesische Wirtschaft.
Umfangreicher Maßnahmenkatalog
Das Ministerium für öffentliche Sicherheit charakterisierte den starken Markteinbruch als "übermäßig negative Reaktion der Anleger, die eine Umstrukturierung des Marktes erforderlich macht". Die vorgeschlagenen Stützungsmaßnahmen umfassen laut den Reuters vorliegenden Dokumenten:
- Einrichtung eines staatlich garantierten Stabilisierungsfonds als zentrale Maßnahme zur direkten Marktintervention
- Anreize für Aktienrückkäufe durch börsennotierte Unternehmen zur Kursstabilisierung
- Begrenzung der täglichen Handelsspannen zur Reduzierung der Volatilität
- Einsatz von Influencern zur Verbreitung positiver Botschaften und gezielter Marktbeeinflussung
Am 25. März wies das Büro des Premierministers das Finanzministerium und die vietnamesische Zentralbank an, auf Grundlage dieser Empfehlungen tätig zu werden. Der konkrete Umfang der Umsetzung blieb zunächst unklar. Weder das Finanzministerium noch die Zentralbank oder andere betroffene staatliche Institutionen gaben unmittelbare Stellungnahmen zu den geplanten Maßnahmen ab.
Ungewöhnliche Rolle des Sicherheitsministeriums
Die federführende Rolle des Ministeriums für öffentliche Sicherheit bei der Entwicklung von Börsen-Stützungsmaßnahmen ist ungewöhnlich. Typischerweise fallen solche wirtschaftspolitischen Initiativen in den Zuständigkeitsbereich des Finanzministeriums oder der Zentralbank. Das Engagement des Sicherheitsministeriums deutet auf die hohe politische Priorität hin, die die Regierung der Marktstabilisierung beimisst.
Erholungspotenzial nach scharfer Korrektur
Die drastische Korrektur von 12% in den ersten sechs Handelstagen des März könnte nach Einschätzung vietnamesischer Marktbeobachter den Boden für eine mögliche Erholung bereiten. Die scharfe Abwärtsbewegung eröffne attraktive Kaufgelegenheiten vor der Berichtssaison für das erste Quartal 2026, heisst es in lokalen Marktanalysen.
Ob die angekündigten Stützungsmaßnahmen ausreichen, um das Vertrauen der Anleger nachhaltig wiederherzustellen, dürfte massgeblich von der weiteren Entwicklung der Iran-Krise abhängen. Solange die Unsicherheit über die Ölversorgung aus der Golfregion anhält, bleibt der vietnamesische Aktienmarkt anfällig für weitere Volatilität.
Kontext: Vietnams Abhängigkeit vom Nahen Osten
Die besondere Verwundbarkeit des vietnamesischen Marktes erklärt sich durch die strukturelle Abhängigkeit des Landes von Ölimporten aus der Golfregion. Anders als andere südostasiatische Staaten verfügt Vietnam nur über begrenzte eigene Ölförderkapazitäten und ist daher stark auf Importe angewiesen. Eine längere Unterbrechung der Lieferwege durch militärische Auseinandersetzungen im Persischen Golf würde die ohnehin angespannte Energieversorgung zusätzlich belasten.
Die Börsenturbulenzen kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Vietnam hatte sich erst in den vergangenen Jahren verstärkt bemüht, ausländische Investoren anzuziehen und die Kapitalmärkte zu reformieren. Ein anhaltender Vertrauensverlust könnte diese Bemühungen zurückwerfen.
Quellen
Artikel teilen