
Warum Microsofts Wachstum die Aktie nicht rettet
Von Redaktion aktie.com
Microsoft liefert starke Zahlen, doch die Börse straft den Tech-Giganten ab. Der Aktienkurs liegt 36 Prozent unter dem Höchststand – eine ungewöhnliche Entwicklung für ein Unternehmen, das seinen Umsatz im Jahresvergleich um 18 Prozent steigert und die Gewinnerwartungen übertrifft. Der Grund für diese Bewertungslücke liegt in einer Zahl: den explodierenden Investitionen in die Künstliche Intelligenz.
Kapitalausgaben verdoppeln sich nahezu
Das zentrale Problem sind die Kapitalausgaben (Capex). Vor der AI-Ära bewegten sich diese konstant bei 25 bis 27 Prozent des operativen Cashflows. Im jüngsten Geschäftsjahr kletterte diese Quote auf 47,4 Prozent. Microsoft gibt derzeit massiv Geld aus, um Rechenzentren und AI-Infrastruktur aufzubauen – ein notwendiger Schritt für die Zukunft, der aber kurzfristig die Margen belastet.
Diese Kombination aus leicht rückläufigem Umsatzwachstum bei gleichzeitig stark steigenden Ausgaben löste nach der letzten Quartalszahlen-Präsentation den Ausverkauf aus. Analysten von Investing.com sprechen von einem "Angstabschlag", der sich in einer deutlich reduzierten Bewertungsprämie niederschlägt.
Bewertung deutlich unter historischem Durchschnitt
Die aktuelle Bewertung erscheint dennoch attraktiv. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnprognosen für das Geschäftsjahr 2027 notiert Microsoft mit einem Abschlag von 10 bis 24 Prozent gegenüber dem historischen Durchschnitt. Analysten rechnen mit einem Gewinnwachstum von 16,8 Prozent für 2027. Auf dieser Basis und einem konservativen Bewertungsmultiplikator von 28 (unter dem 10-Jahres-Schnitt von 29) errechnet sich ein fairer Wert von rund 518 US-Dollar je Aktie – etwa 39 Prozent über dem aktuellen Kursniveau von 371 Dollar.
Strukturelle Herausforderungen bleiben
Neben der Investitionswelle stehen weitere Herausforderungen im Raum. Im Cloud-Geschäft liegt Microsoft weiterhin deutlich hinter Marktführer Amazon Web Services zurück – sowohl beim Umsatzvolumen als auch beim Wachstumstempo. Gleichzeitig gewinnt Alphabet mit seiner Produktivitätssuite zunehmend Boden im Unternehmensmarkt, Microsofts traditioneller Domäne.
Eine Studie von Dimensional Fund Advisors zeigt zudem, dass Aktien nach dem Aufstieg in die Top-10 der grössten Unternehmen tendenziell schlechter als der Gesamtmarkt abschneiden. Microsoft gehört als einer der wertvollsten Konzerne der Welt zu dieser Gruppe.
Einordnung für Anleger
Die Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Aktienkurs spiegelt die Unsicherheit über Microsofts Transformation im AI-Zeitalter wider. Das Unternehmen muss beweisen, dass die massiven Investitionen sich mittelfristig auszahlen und das traditionelle Software-Geschäft erfolgreich in eine AI-getriebene Zukunft überführt werden kann. Die aktuelle Bewertung preist erhebliche Risiken ein – bietet aber auch Potenzial für Anleger, die an die Umsetzung dieser Strategie glauben.
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